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Burkhart Rüchel

NAMIBIA
2017

arche-foto.com

mal wieder:

Sieben Wochen mit dem Fahrrad unterwegs...

Seite I

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* * *

Eigentlich hatte ich keine Lust wieder einen langen Reisebericht zu schreiben, doch auf mehrfachen Wunsch hin mache ich mir doch noch einmal die Mühe.
Der Bericht ist bis auf den Bildteil (hier werden noch einige Kürzungen erfolgen) noch nicht vollständig - momentan komme ich wegen neuer Reisevorbereitungen einfach nicht dazu ihn fertig zu stellen, siehe: Tanzania 2017 - auf den Spuren der deutschen Schutztruppe im Ersten Weltkrieg im früheren Deutsch Ostafrika.

* * *

Der Flug geht diesmal von Berlin Tegel nach Amsterdam, von dort via Lusaka nach Windhoek. Da in Lusaka die meisten Passagiere aussteigen ist der Flieger nach Windhoek fast leer. Die Landung dort am nächsten Tag, zum Glück kommt mein Gepäck zeitgleich mit mir an. Tausche auf dem Flughafen gleich Geld, schmiere mich mit Sonnencreme ein. Das Fahrrad hole ich von der Farm wo es jedes Jahr untergestellt ist, baue alles zusammen - so auch eine andere Federgabel - und zahle die Einstellmiete für die vergangenen 8 Monate. Dabei setze ich mich vor Schreck fast hin - die Miete wurde um 200 % rückwirkend erhöht! So ist gleich am Anfang ein großes Loch in der Reisekasse, quasi ein Wochenbudged geht dabei drauf.

Da es schon recht spät heute ist wenige Kilometer vor Windhoek im Busch mein Nachtlager. Am nächsten Tag hole ich eine neue SIM-Karte, kaufe bei Checkers ein und mache mich gleich auf den Weg nach Norden. Ein seit langem bestehender Internet-Kontakt ist zufällig auch gerade in Namibia unterwegs und wir verabredeten uns entsprechend am Waterberg. Eine gute Möglichkeit sich einmal persönlich kennen zu lernen!

In Okahandja sitze ich gegenüber vom Holzschnitzermarkt wie üblich im Café, Internet funktioniert diesmal sogar ohne Störung. Kaufe später an einem Straßenstand eine Sonnenbrille, mache im Bahnhof wieder mit dem Stationsvorsteher ein Schwätzchen, fülle im Reitclub meine Wasserflaschen auf.
Am Ortsausgang mal wieder ein Polizei-Checkpoint, diesmal bin ich vorschriftsmäßig mit Warnweste und Schutzhelm ausgestattet. Eine Polizistin warnt vor Kriminellen, meint wenn Leute versuchen sollten mich zu stoppen solle ich nicht anhalten!

Auf der B1 ist diesmal der Verkehr recht moderat. Muss lange unter meiner Plane bei starkem Regen rasten. Es hält ein Auto und so bekomme ich durch den Herero Joe einen Lift bis zum Abzweig zur C22. In der Dämmerung gibt es riesige Schwärme fliegender Ameisen. Bin diesen zweiten Tag etwas mehr als 100 km Straße gefahren. Übernachte im Zelt am Weavers Rock im Busch. Mache am nächsten Tag einen Kurzbesuch auf "Okosongomingo", der "Waterberg Guest Farm" (Schneider-Waterberg) wo der Gästebetrieb noch nicht begonnen hat. Harry berichtet von der desolaten wirtschaftlichen Lage im Land. Bekomme einen Kaffee von der Chefin des Gästebetriebes spendiert mit der ich mich lange unterhalte. Sie erinnert sich sogar an meinen Besuch 2015.
Bade später im klaren Wasser des Kanals der die C22 unterquert, ungestört von den vielen Ochsenfröschen. Später sehe ich neben der Straße eine große Schlange sich aufrichten.

 

Hamakari beim Waterberg:

Auf Farm Hamakari erfahre ich von Wilhelm Diekmann und seiner Frau daß auch hier noch Betriebsferien seien. Jens und Antje mit ihren Söhnen treffe ich gerade noch an da sie wegen heftigen Regen lieber weiter wollen. Zum Glück bleiben sie dann doch noch und wir campen gemeinsam als einzige Gäste - die Saison hat noch nicht begonnen - auf dem großen, wie eine Insel angelegten Platz. Besichtigen zusammen das Gefechtsfeld ehe es wieder mal einen ordentlichen Regenguß gibt, fahren später mit ihrem Jeep noch zum Einkauf nach Okakakara. Grillfleisch ist nicht zu bekommen, nur irgendwelche komischen Würstchen. Bier gibt es gegenüber in einer Kneipe an der Hauptstraße. Abends sitzen wir Männer noch lange zusammen (nächtliche Tonaufnahme).

 

Am nächsten Tag fährt Jens mit seine Familie weiter und ich besuche noch einmal alleine dieses Gefechtsfeld des Herero-Aufstandes. Hier focht am 11.08.1904 die Abteilung von der Heyde gegen eine Übermacht der Herero, kam dabei in arge Bedrängnis da sie den Anschluß an das übrige Kampfgeschehen verloren hatte.

Den ganzen Tag bin ich auf dem Gefechtsfeld im Dornengestrüpp unterwegs, teils sengende Hitze (meine Handrücken sind von der heftigen Sonne stark gerötet), auch mal ein ordentlicher Regenguß. Mache einige interessante Funde: 12 Patronenhülsen, 26 Bleikugeln, einen Zeltbahn-Knopf, 4 Stahlmantelgeschosse, 10 Bleigeschosse (nehme von allen die Geo-Koordinaten - Funde im Zusammenhang mit dem Herero-Aufstand siehe hier).
Da es auch am Abend stark bewölkt ist entschließe ich mich eine weitere Nacht zu bleiben, erst morgen nach Klein Hamakari zu wechseln.

Klein Hamakari:

Am Vormittag bin ich auf Klein Hamakari. Hier befand sich am 11. August 1904 die Abteilung Mühlenfels mit dem Hauptquartier unter Lothar von Trotha. Heute ist es nahezu wolkenlos und es wird ein heißer Tag. Die Frau des Hauses ist gerade dabei abzufahren, meint daß es kein Problem wäre auf dem Farmgelände zu campieren. Der Angestellte Winfried, ein Kavango, führt mich zum Friedhof der Schutztruppe, fährt mit dem Jeep vorneweg - ich hechle mit dem Fahrrad hinterher. Da das Rivier abgekommen müssen wir einen großen Umweg fahren.

 

Es ist völlig wolkenlos, ein sehr heißer Tag. Ausgiebig suche ich das Gefechtsfeld ab. Da ich keinen Spaten oder Schippe dabei hab stochere ich mit einem Metallstück, einem Granatsplitter, im extrem harten Boden, habe am Ende des Tages an der Hand 8 Blasen (Funde im Zusammenhang mit dem Herero-Aufstand siehe hier.)

Komme erst spät zum Farmhaus zurück, es dämmert bereits. Winfried ist noch am Arbeiten da er seinen Kindern eine gute Ausbildung ermöglicht und er extra verdienen will. Sitze mit Reinward noch lange nett beim Bier zusammen.

Unter anderem erfahre ich daß 2004 bei Okakarara mit deutschem Geld ein großes Kultur-Zentrum gebaut wurde. Nachdem das mit großem Aufwand fertiggestellt und 2 Jahre betrieben wurde verfiel die ganze Anlage bald darauf. Wenn die Herero mit so einem Zentrum nichts anzufangen wissen warum klotzt man ihnen denn sowas hin? Ein weiteres Beispiel für die sinnlose Verschwendung deutscher Steuergelder in Afrika! Das hat sogar der deutschen Linksfraktion sauer aufgestoßen (diverse "Kleine Anfragen" beim Bundestag - die haben wohl auch sonst nichts weiter zu tun...).

In Otjiwarongo decke ich mich mit Lebensmitteln ein, raste später im Schatten an einen Zaun gelehnt, die Allgemeine Zeitung lesend. Als ich mir anschlierßend das Kriegerdenkmal ansehen will beginnt ein Mann eine Unterhaltung, er hätte mich schon an seinem Zaun sitzen sehen. Es dauert gar nicht lange und Chris Barrington lädt mich zu sich und seiner Familie ein! Lange sitzen wir im Garten zusammen, ich darf dann auf der Couch schlafen. Es ist eine schöne Begegnung hier in Otjiwarongo!

Kriegerdenkmal:

       

Friedhof:

 

Bahnhof: (mehr Details zur Eisenbahn in Afrika hier).

           

Dampflok Henschel und Sohn GmbH, Cassel, Nr. 18583 Baujahr 1921:

               

An der Kreuzung außerhalb der Stadt überlege ich ob ich mich nun nordwestlich auf der C38 nach Outjo wende, von dort dann über Khorixas und Uis nach Omaruru fahre oder den kurzen Weg auf der C33 über Kalkfeld, Mount Etjo nach Omaruru nehme. Entscheide mich für die kurze Tour, will auch beim Mt. Etjo ein Gefechtsfeld des Herero-Aufstandes besuchen.

Kalkfeld:

Der Gebäudekomplex mit der Tankstelle ein Neubau, beherbergt nicht nur einen kleinen Supermarkt sondern auch eine "Tourist-Info", außerdem einen überdachten, leeren Marktstand, nur ein paar Leute lungern herum. Offensichtlich wollte man mit dem Bau dieser ganzen Anlage eine Infrastruktur anlegen bzw. Entwicklung anregen, doch siehts eher nicht danach aus...

 

In der Tankstelle auch ein kleiner Laden mit Imbiss, verbringe hier die "schlimmen Stunden", es gibt sogar wlan. Eine Gruppe "Zeugen Jehovas" kommt vorbei. Kaufe eine Allgemeine Zeitung, esse einen gegrillten Hähnchenschenkel und "Pommes", schaue dem Betrieb an der Tankstelle zu. Eine recht attraktive, junge Angestellte meint ich "solle sie mit nach Deutschland nehmen", ich frage sie ob sie sich vorstellen könne wie oft ich das gefragt werde. Ein mit Steinen voll beladener LKW mit defektem Reifen wird repariert, ich höre Deutsch sprechen, fasse mit an und komme so mit den Männern ins Gespräch. Hartwig von Seydlitz - der Name der Familie natürlich jedem Militärhistoriker ein Begriff - ist mit einem seiner Praktikanten unterwegs. Als später ein Ersatzrad gebracht und montiert ist kann ich mit auf die Farm, lerne die Familie kennen und werde sehr herzlich und großzügig aufgenommen!

Natürlich ergibt sich auch eine Unterhaltung über deutsche Militärgeschichte und ich erfahre u.a. einiges über Hartwigs Großonkel Walther von Seydlitz-Kurzbach der Anfang 1944 in Stalingrad mit der 6. Armee unter Generalfeldmarschall Paulus kapitulierte, sowie über die anschließende Behandlung in russischer Kriegsgefangenschaft.

Auf Farm Schönfeld sind gerade drei deutsche Praktikanten tätig und ich bekomme einen kleinen Einblick in ihr vielseitiges, sehr spannendes und bestimmt auch anstrengendes Aufgabenfeld. Die jungen Männer hinterlassen einen guten Eindruck, sind recht selbstständig und machen hier auf Schönfeld eine gute Schule durch. Bin direkt ein wenig neidisch daß ich als junger Mann nicht solche Möglichkeiten hatte.

           

Es sind sehr schöne Stunden auf Schönfeld! Erst am nächsten Tag geht es dann wieder zur Hauptstraße und weiter nach Omaruru. Es ist eine ziemliche Quälerei, davon bestimmt 20 km Gegenwind.

Omaruru:

Das "Omaruru Rest Camp", am nördlichen Stadtrand direkt am Omaruru Rivier gelegen, wird für die nächsten Tage mein Basislager.

Eigentlich ein schöner Platz, dazu noch sehr günstig - doch leider auch mehrere unangenehme Dinge. So kläffen die vielen platzeigenen, zudringlichen Köter einen ständig und langanhaltend an, auch bei jedem Kommen und Gehen anderer Gäste dasselbe - rund um die Uhr. Im Barbetrieb und leider auch davor bereits ab dem frühen Nachmittag furchtbar laute, "moderne" Musik - die weisse Bedienung und ihr Verehrer oder Freund machen Party, sehr zum Ärger der Gäste. Beschwerden werden abgewiesen. Als ich die Türen schließe damit wir wenigstens draußen etwas Ruhe haben werden diese promt wieder aufgerissen. Als einzige Möglichkeit diesem Lärm zu entgehen flüchten die Gäste!

Ebenso macht die platzeigene Müllkippe einen sehr schlechten Eindruck! Direkt ins Omaruru-Rivier kippen die Betreiber Abfälle, Bauschutt usw. - sogar Asbest liegt da herum!

 

Kehre also zum Essen und Trinken lieber in die Kashana Lodge ein. Hier treffen sich Einwohner, Reisende und Abenteurer - hier habe ich angenehme Unterhaltung und interessante Begegnungen.
Mit dem Betreiber von Kashana, Heinz Klittich, unterhalte ich mich ebenfalls lange, er berichtet sehr kundig über die Verhältnisse in Namibia. So erfahre ich u.a. daß die namibische Regierung hier mittlerweile auf 26 Ministerien aufgebläht worden ist! Davon sind mehrere erst neu geschaffen worden, und das für eine Bevölkerung von nur etwa 2 Millionen! Was das kostet ist unvorstellbar. Anstatt Geld zu sparen wurden Diäten erhöht, das Parlament erweitert - ein neues Parlament soll nun auch noch gebaut werden! Da wundert einen nicht daß der Staat pleite ist...

Erfahre auch einiges über die namibischen Mischehen, das ist natürlich ein schwieriges Thema welches - je nach Perspektive - anders betrachtet wird. Ebenso über Hexerei innerhalb der schwarzen Bevölkerung was nicht nur ein großes Phänomen sondern vor allem Problem ist.

Obwohl Omaruru eine große weiße Gemeinschaft hat die dem Ort ihr ordentliches Gepräge gibt denken viele daran aufzugeben und wegzuziehen. Der Altersdurchnitt ist recht hoch, die sehr hohen Abgaben drücken und die Perspektive sieht nicht gerade rosig aus. Jedenfalls kann man sich gut vorstellen was aus Omaruru wird wenn die Weißen weg sind...

Barmann Jerome bringt eines Tages auf einer Schippe eine kleine Puffotter die er gerade erschlug. Der Schweizer Reptilien-Experte Andre Stehlin bedauert natürlich den Tod dieser Schlange und demonstriert Jerome wie man gefahrlos solche Tiere einfängt.

     

Auf dem Gelände des Kashana Gästebetriebes: Dampfmaschine von "Wright, Boag & Co Ldt Engineers", Joannesburg.

       

Mehrere Tage verbringe ich in Omaruru. Im Heimatmuseum über dem Andenken-Laden im Wronski-Haus befinden sich neben anderen Exponaten auch zwei der seltenen Herero-Gefangenenmarken.

Eines Abends setze ich mich auf zwei Bier mit zu den Brüdern Hartmut und Ortwin Kölling vor ihr grünes Haus. Es ist längst dunkel als ich wieder auf dem Campingplatz bin. In der Bar gehts wieder laut zu, bleibe lieber im Zelt.

                                             

       

Alter Friedhof:

                                             

Grabanlage des Zerau Clans:

               

Grab Chief Christian Eerike Wilhelm Zeraeua, 1934-2012

   

Grab King Michael Tjiseseta, 1872-1924:

           

     

Am Ortsausgang Richtung Karibib treffe ich einen jungen Deutschen der extrem solide aussieht, frage ihn ob er zu den Zeugen Jehovas gehört von denen ich schon welche in Kalkfeld sah. Er bestätigt das, ursprünglich stammt er aus Stralsund.

               

Ehemalige Brauerei, heute Sport Club:

       

Franke-Turm, 1907 zum Gedenken an den Entsatz der Ortschaft durch Victor Franke im Herero-Aufstand errichtet (mehr Infos sowie Funde im Zusammenhang mit dem Herero-Aufstand siehe hier):

   
                 

Diverse Fundstücke auf dem Gefechtsfeld welches wegen seiner Ortsnähe sehr mit Müll, auch historischem, überdeckt ist (mehr Infos sowie Funde im Zusammenhang mit dem Herero-Aufstand siehe hier):

                       

Ehemaliges Hospital:

Viele der Räume sind bewohnt, die Herero Grace die hier in einem früheren Operationssaal lebt führt mich durch die längst stillgelegte Einrichtung. Sie arbeitet in der Pharmazie und ist für Konfektionierung bzw. Verpackung von Medikamenten zuständig.

                                                       

Polizeistation:

       

Schießplatz:

       

Schießplatz Funde:

Neben unzähligen Patronenhülsen neuerer Zeit gibt es auch einige aus deutscher bzw. Mandatszeit, offensichtlich existiert der Schießplatz bereits mehr als 1oo Jahre.

  4 Ladestreifen, der deutsche ist gestempelt: I

Bodenstempel obere Reihe:
U 53 MK.7 / U 52 MK.7 / 2 94 S / * S.F.M * / U 48 MK.7 / U 49 MK.7

Bodenstempel untere Reihe:
... 12 / 9 M 00 S / U 52 MK.7 / 8 92 S / U 55 MK.7

 

oben - Bodenstempel große Hülsen: 2 Stück F 23-78 / 83 12 / 86 13 / 84 12;

oben - kleine Hülsen: 9mm Luger / A 78 9mm R1M.2 / PPU 9mm Luger / PMP 9mm Luger / S&B 9mm LUGER / S&B 9mm LUGER (roter Rand) / 9 MM / A 80 9 MM R1M2 / A 77 9mm R1M2 / PPU 9mm LUGER

rechts - Bodenstempel ganz kleine Hülsen

Von Omaruru auf der D2329 zum Mount Etjo:

Auf der C33 Richtung Süden überholt mich hupend ein Auto, es ist Andre Strehlin der auch Omaruru verlassen hat. Er schenkt mir noch eine gute Cigarre: "Joya de Nicaragua". Das ist mir eine besondere Freude da diese vor langer Zeit "meine Hausmarke" gewesen ist.

         

Otjihaenamaparero:

Bin ganz erstaunt daß es hier ein Schild gibt welches auf das Gefechtsfeld von 1904 hinweist - ich hatte mir das mühevoll anhand des Vergleiches der alten Gefechtsfeldkarten mit heutigen Satellitenfotos heraus gesucht!

Beim Hinweisschild zum Kriegerdenkmal finde ich gleich einen Laderahmen, in der weiteren Umgebung zwei Patronenhülsen (hergestellt in Spandau bei Berlin). Setze mich zwecks Abkühlung mehrfach in die Wasserstelle, eine Quelle im Bett des Omaruru. Verstecke mein Fahrrad im Busch und laufe bei der Hitze stundenlang das Gefechtsfeld ab, finde jede Menge altes Zeug (mehr Infos sowie Funde im Zusammenhang mit dem Herero-Aufstand siehe hier).

   

Das kleine Farmhaus ist auf der historischen Karte von 1904 bereits eingezeichnet. Mit dem hier mit seiner Familie lebenden Aaron der ganz gut Deutsch spricht unterhalte ich mich eine Weile, ebenso mit einem hübschen, jungen Mädchen welches auf einen Lift - eine Mitfahrgelegenheit nach Kalkfeld - wartet.

                                 

Auf der Farm die für ihre Saurierspuren bekannt ist gibt es sogar einen kleinen Campingplatz und ich checke für eine Nacht ein. Der Farmer ist recht merkwürdig, ist fast sauer daß ich mich nicht für die Spuren sondern nur für das Gefechtsfeld interessiere ("Normalerweise nehmen wir keine Gäste die sich nicht für die Dinospuren interessieren!"). Seine Art "Humor" ist schon recht eigenartig (so etwa: "Radfahrer seien die unterste Kategorie" - dabei zahle ich den gleichen Preis wie Autofahrer), auch bekomme ich eine lange Litanei an Verhaltensmaßregeln hier auf seiner Farm zu hören - u.a. daß man hier kein Holz sammelt sondern kauft (brauche gar kein Holz da ich nie Feuer mache, keinen Grill auf dem Fahrrad mit mir herumschleppe).

Es gibt eine große Sammlung an Fundstücken die er mit den Jahren zusammen getragen hat, ungefragt betont er mehrfach daß er nie etwas weggeben wird. Neben den Relikten aus den Kämpfen des Herero-Aufstandes (die ich immerhin fotografieren darf) gibt es diverse prähistorische, archetypische Funde wie Steinwerkzeuge (die bis in die jüngere Neuzeit in Gebrauch waren) sowie paläontologische Stücke wie Versteinerungen von Saurierknochen. 240 Millionen Jahre alt wie mehrmals betont wird.

Auf seinen Nachbarn Aaron ist Farmer Strobel ganz schlecht zu sprechen - das wäre ein arger Wilderer der schon oft mit der Polizei zu tun hatte. Auch berichtet der Farmer über zunehmende Kriminalität in Namibia, vor allem gegen Weiße. Eine Strafverfolgung findet in solchen Fällen kaum statt!

Ein anderes Problem wird abgesprochen: das Parlament hätte eine neue Gesetzesvorlage eingebracht daß jedes Unternehmen 25 % an "historisch Benachteiligte" abtreten muß, sowie 50 % des Managements Schwarze sein sollen! Das muß nur noch vom Nationalrat ratifiziert werden. Damit wäre der wirtschaftliche Ruin komplett, so wird Namibia kaputt gemacht. Und dann wird wieder die Hand aufgehalten - und die dummen Deutschen werden wieder zahlen!
So ist es kein Wunder daß viele von Weißen geführte Unternehmen aufgegeben werden, der Nachwuchs das Land verläßt und sich woanders eine Existenz aufbaut.

Altes landwirtschaftliches Gerät auf der Farm:

                                           

Am nächsten Tag haben Strobels in Otjiwarongo zu tun, bieten an mich im Auto bis nach Kalkfeld mitzunehmen. Wollte eigentlich den Tag noch einmal das Gefechtsfeld absuchen doch lasse ich mir diese Mitfahrgelegenheit nicht entgehen, zumal die Strecke nach Kalkfeld eine üble Pad ist. So habe ich Gelegenheit mir den Ort noch einmal genauer anzusehen.

Kalkfeld:

   

Kalkfeld Bahnhof: (mehr Details zur Eisenbahn in Afrika hier).

                                     

Bahnhofsgebäude:

                                                 

Klinik:

         

           

                                         

Englischer Kindergarten:

   

   

An der C33 zwischen Kalkfeld und Omaruru:

         

Bis Omaruru ist dann wieder mächtig Gegenwind, es zieht sich ewig hin und ich komme mächtig KO an. In Omaruru frage ich gegenüber vom Franke-Turm nach einem Quartier, doch wäre ich im dortigen Gästebetrieb der Einzige. Lande dann doch wieder im Omaruru Rast Camp. Wie schon gewohnt kläffen wieder Tag und Nacht die platzeigenen, zudringlichen Köter, scheißen natürlich alles voll. Morgens liegen vor dem Barbetrieb jede Menge Knochen auf der Erde die man denen wohl hingeworfen hat und die nun überall verstreut herumliegen. Einfach ekelhaft. Verziehe mich also wieder ins Kashana. Tagsüber regnet es teils heftig und im Omaruru Rivier fließt ordentlich Wasser. Die nächste Nacht campiere ich ungestört unweit der Umspann-Station im Busch.

Mache am nächsten Tag auf dem Gefechtsfeld wieder mehrere Funde, nehme längst nicht mehr alles mit da ich schon wieder viel zu viel Zeug mit mir herumschleppe, mache jedoch von allem Fotos samt Geo-Koordinaten. Zwischendurch liegen auch hier überall neben modernem Müll die bekannten Verpackungen von Kondomen.

Später finde ich dann auch noch an den sog. "Müller-Schanzen", einem weiteren Gefechtsfeld aus dem Herero-Aufstand von 1904, militärische Relikte, die beiden Jungen helfen mir bei der Suche: Tonaufnahme (Funde im Zusammenhang mit dem Herero-Aufstand siehe hier). Anschließend geht es auf der C33 weiter Richtung Karibib.

                 

Am 27. Januar bin ich in Karibib. Als erstes falle ich natürlich in den großen Supermarkt an der Hauptstraße ein. Treffe davor gleich Hendrik Kumundu und Walter! Setze mich ins Cafe wo es inzwischen stabiles wlan gibt. An den Wänden einige historische Fotos von Karibib.

 

Nahe der Missionskirche ist in einem ehemaligen Bahnwerkstattgebäude heute der "sunshine"-Kindergarten untergebracht. Als ich das Haus fotografiere kommt wütend die Matrone heraus. Amanda erzählt daß irgendwer aus Deutschland herumfährt und Geld für die Einrichtung sammelt, möglicherweise ein Betrüger, und sie davon nie etwas zu sehen bekam. Na, ich kann sie beruhigen, es stellt sich heraus daß sie früher sogar im Otjimbingwer Friedenheim tätig war und ich soll wenn ich in den nächsten Tagen hinkomme dort Grüße bestellen!

   

früheres Handelshaus Eduard Hälbich:

Dieses Anwesen aus der Pionierzeit, aus den Anfängen von Karibib fällt nun auch einmal wieder neuzeitlicher Profitgier zum Opfer! Da hilft auch kein Denkmalschutz. Die Witterung - gerade ist Regenzeit - sowie Vandalismus und Baustoff-Diebstahl tun das Übrige. Laut Anwohnern will das Unternehmen "Woermann & Brock" auf dem Gelände einen Supermarkt errichten (dabei gibt es bereits einen großen Supermarkt in dieser Straße). Die Abbrucharbeiten sind gestoppt worden, angeblich soll nun wenigstens die historische Fassade mit integriert werden. Willkommen in Disneyland...

                                                                                                                           

ehemalige Konserven Fabrik:

               

Weitere Beispiele historischer Bebauung Karibibs:

                 

       

                   

Eisenbahn-Gelände:

             

Evangelisch-lutherische Kirche, früher rheinische Missionskirche mit ehemaligem Hospital:

   

                                                             

             

Am gleichen Tag fahre ich auf der D1953 weiter nach Otjimbingwe. Schaffe diesen Tag nicht mehr die etwa 60 Kilometer und schlafe unweit von ein paar Herero-Hütten nahe der Straße im Geröll, räume nur die gröbsten Steine beiseite, baue nicht mal das Zelt auf.

     

Kurz nach der Dämmerung fahre ich schon los, komme am "Corner shop" vorbei der so früh noch geschlossen ist. Die Bergkette des Swakop rückt langsam näher, sehe irgendwann auch die drei Kalkberge und kann kaum glauben daß ich schon in Otjimbingwe bin.

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