Die Darstellung dieser Seiten ist für die browser "Firefox" / "Opera" / "Safari" / "Chrome" optimiert (sicherer und kostenloser download Deutsche Version Firefox hier) // The presentation of this pages is optimized for the browsers "Firefox" / "Opera" / "Safari" / "Chrome" (safe and free download English version Firefox here).


Burkhart Rüchel

NAMIBIA
2017

arche-foto.com

mal wieder:

Sieben Wochen mit dem Fahrrad unterwegs...

Seite II

You can use the translator from German to English
Jy kan gebruik maak van die vertaler van Duits na Afrikaans

Mauszeiger auf Bild zeigt Bildtitel, unterstrichene u. fett gedruckte Wörter sind weiterführende links.

* * *

Otjimbingwe:

Da es auf dem Weg liegt besuche ich die Mädchen im Da Palm Hostel die ich schon einige Jahre kenne. Die Matron läßt mich zu sich rufen und ohne Einleitung steuert sie sofort auf eine "Donation" zu. Ich meine gleich daß ich als Privatmann unterwegs bin und bereits das Friedenheim unterstütze. Das ist wieder typisch, wenn die was von einem wollen muß man noch zu ihnen gehen - nicht daß die etwa selbst sich bemühen. Doch das kenne ich ja schon...

                                         

Fahre anschließend zum Friedenheim Hostel, dort ist gerade eine große Versammlung, komme also später wieder und darf - wie schon all die letzen Jahre - am Waschhaus mein Zelt aufbauen, werde auch wieder gegen einen Obolus die Tage hier sehr reichlich mit verköstigt. Die ehemalige Principalin der Schule kommt im Jeep zu Besuch und bringt jede Menge Süssigkeiten für die Kinder mit.

Personal des Friedenheim Hostel:

                         

Da Sister Martha eines Tages über die viele Arbeit klagt, schlecht geschlafen, auch keine Mittagsruhe hatte helfe ich am Abend in der Küche bei der Vorbereitung für den nächsten Tag. Martha ist leider extrem frustriert wie ich die ganzen Tage merke, meckert und keift mit den Kindern nur herum. Sie ist mit sich sehr unzufrieden, in den letzten Jahren hatte sie ja noch eine ihrer Enkeltöchter bei sich was für Ausgleich sorgte, das ist nun vorbei. Jetzt schläft sie - statt bei sich zu Hause in der Siedlung des früheren Priesterseminars - auch noch im Mädchentrakt und so hört man ihr Gezeter auch noch die Nacht über. Die armen Mädchen, haben sie noch nicht mal nachts ihre Ruhe! Man sollte alten, frustrierten Weibern keine Kinder anvertrauen...

Eines Tages rede ich mit ihr mal darüber, meine daß sie einfach gelassener werden müsse - das täte ihrem Seelenfrieden viel besser. Die Kinder sind nun mal noch keine fertigen Menschen, machen noch viel "falsch", ärgern und kloppen sich, sind teilweise respektlos. Die müssen das doch auch alles erst lernen, es ist sinnlos sich darüber stets und ständig aufzuregen. Na, Martha versteht was ich meine, doch genützt hat es nichts...

einige der Kinder:

                     

Für die Mädchen hatte ich eine Frisbee-Scheibe, für die Jungens einen Fußball mitgebracht. Leider ist die Tage über viel Wind, doch die Jungen spielen stundenlang sobald die Schule aus ist, möglichst jeden Tag.

Eines Tages bringt Dina eine moderne Patronenhülse an die sie angeblich aus einem Haus des früheren Paulinum hat. Mag die jedoch nicht ankaufen, habe längst genug davon. Jedenfalls zerkratzt und verbeult sie die danach mächtig und versucht mir die nun erneut als "echt alt" anzudrehen, das geht mehrere Tage so. Versucht das sogar über andere Kinder. Für wie dumm hält die mich eigentlich? Wie oft habe ich gerade den älteren Mädchen erklärt worauf es bei Funden ankommt.

Mit ein paar Kindern ziehe ich mal los "altes Zeug" zu suchen. Habe so fast an jedem Finger ein Kind zu hängen, dauernd tapsen sie mir vor den Füßen herum. Die Jungens bringen jede Menge modernen Müll angeschleppt, können nicht unterscheiden was wirklich alt oder einfach Müll ist. Da helfen auch keine Erklärungen. Die Mädchen sind da wesentlich pfiffiger.
Von Peter Henninger der in Otjimbingwe aufwuchs erhielt ich Aufzeichnungen seiner Mutter die 1951 aus ganz primitiven Anfängen das Friedenheim Hostel aufbaute, über die ständigen Schwierigkeiten berichtete. Zuerst campierten die Schüler in einem Zelt was in der Regenzeit oft große Probleme mit sich brachte.

Sister Elisabeth fängt schon wieder an ich solle sie heiraten und mit nach Deutschland nehmen, diesmal sogar im Beisein von zwei anderen Erzieherinnen die das offensichtlich ganz natürlich finden. Hatte wohl schon mal irgendwo erwähnt daß mir nichts ferner läge als mir diesen alten, garstigen Drachen an den Hals zu laden...

Sonntagsschule an der Kirche:

         
                           

Früheres Kommissariat (aus der Mandatszeit), schräg gegenüber vom ersten Regierungssitz Deutsch Südwestafrikas:

                 

Seth und seine Frau Gerhardine besuche ich auch wieder einmal. Mit seinem Hausbau ist er noch nicht viel weiter gekommen, es mangelt an Bargeld. Durch die lange Trockenheit hatte er große Verluste an Vieh, seine Herde ist auf nur noch 13 Rinder zusammengeschmolzen. In Otjimbingwe hat es ja lange nicht geregnet und alles ist kahl. über seine Söhne beklagt er sich, die wären faul und machen nur Unsinn, er weiß nicht was aus ihnen werden soll wenn er mal nicht mehr ist. Wie so viele der alten Generation beklagt auch Seth daß die deutsche Zeit vorbei ist.
Seth berichtet daß er früher mal auf der Farm Nomatshaus von Herbert Heilich (oder Heilig) gearbeitet hat. Dort sitzen jetzt Herero die alles herunterkommen lassen, die Anpflanzungen, selbst die alten Gräber der Farmer zerstört haben. So wurde auch hier einmal wieder die Kulturarbeit ganzer Farmergenerationen vernichtet!

Sportfest in der Primary School:

 
         
         

   

Plumpsack geht um...

                                               

Ein Wochenende machen alle Kinder einen Ausflug zur Farm Tsaobis und ich bin mit den Erzieherinnen allein im Friedenheim Hostel. Wie ich merke ist Matron Renate wenig aktiv, obwohl sie eigentlich das gleiche Arbeitspensum wie die anderen Erzieherinnen hätte wie mir diese erzählten und dann die Arbeit mitmachen müßten, natürlich ohne extra Vergütung!

     

                   

Am Omusema:

           

Beim Herumstreifen im Gelände entdecke ich diese prähistorische Steinkammer. Der Deckstein ist zu groß als daß er mit reiner Muskelkraft aufgesetzt worden sein könnte.

Neuer Friedhof:

                                 

 

Zeraeua-"Königshaus". Der Begriff "König" den der Zeraeua-Clan sich selbst zugelegt hat entspricht kaum realer Grundlage. Die Zeraeuas waren nichts weiter als normale Häuptlinge über ein paar hundert Häupter, hatten nie mehr als begrenzte, rein lokale Bedeutung, schon gar keine Regierungsgewalt.
Bei den verschiedenen Titeln hier sollte man generell sehr vorsichtig sein: Als die damaligen südafrikanischen Eingeborenen mit den ersten Seefahrern zu tun hatten nannten sich ihre Oberhäupter selbst "Kapitäne" um sich denen gleich zu stellen, als sie später von europäischen Fürsten, Königen und Kaisern hörten war es nur natürlich daß sie dann ebenfalls gerne diese Titel annahmen...

   

Da hier bekannt ist daß ich mich für die Geschichte Namibias interessiere wird mir ein Mitglied des Zeraeua-Clans vermittelt mit dem ich auch zweimal telefoniere und ein Treffen verabrede. Leider erscheint der Mann dann nicht.

 

© Burkhart RüchelIn der Bar die früher vom deutschstämmigen von Flotow betrieben wurde raste ich gelegentlich in den heißesten Stunden über Mittag. Hier läuft wie üblich permanent und laut die Glotze, billigste südamerikanische oder indische Seifenopern. Die Bedienung wie man es im südlichen Afrika kennt völlig ignorant frisiert eine andere Frau.

Der andere Barbetrieb im Ort an der Hauptstraße ist ganz herunter gekommen, die ganze Einrichtung fehlt. Der Betreiber, der Herero Ferdinand den ich letztes Jahr hier noch antraf, war wohl sein eigener bester Kunde, doch zu wirtschaften verstand er nicht. Treffe ihn die Tage auch einmal - nun nüchtern.
In der Bar jedenfalls gibt es jetzt nur noch einen vergitterten Ausschank. Angenehm hier einzukehren ist es nicht, schon vor dem Laden wird man meist von Typen angequatscht die Bier spendiert haben wollen. Eines Tages werde ich von einem Herero mit "mein Freund" etc. angesprochen, auch hier soll ich schnell wieder Bier spendieren, dabei ist der Typ längst betrunken. Da ich keine Neigung dazu verspüre, der Mann nun gleich behauptet die Deutschen hätten seine Familie umgebracht wird er gleich aggressiv. Der Betreiber räumt schnell die leeren Flaschen weg damit der Mann nicht noch damit auf mich losgeht!

Ein anderes Mal liegt mir wieder ein wildfremder Mann lange in den Ohren ich solle ihm Bier ausgeben. Als ich mich standhaft weigere kauft er sich dann doch eins vom eignen Geld. Das ist leider in Namibia weit verbreitet daß die Leute behaupten sie hätten keins und dann betteln. Doch wenn sie nichts kriegen haben sie plötzlich doch welches!

Der Besitzer oder Pächter der Kneipe ist einer der vielen Söhne von Grootmann Bethuel Haraseb, einer von mindestens 25 nur offiziellen Kindern wie ich erfahre. Sehr, sehr unliebsame Dinge über Bethuel Haraseb werden mir von verschiedener Seite in diesen Tagen zugetragen! Eigentlich wäre er gar nicht der legitime Grootman des Ortes sondern hätte sich dieses Amt erschlichen, war seinerzeit nur Stellvertreter für den damals noch sehr jungen, eigentlichen Amtsträger. Unter anderem wird ihm auch der Niedergang des Ortes angelastet.

Obwohl ich schon so oft in Otjimbingwe war erfahre ich erst dieses Mal wo sich der Bäcker befindet, ab nun habe ich keine Schwierigkeiten mehr Brot zu bekommen.

         

Im Ort treibt sich ein junger Mann herum der sich als "Rapper" bezeichnet, gegen kleines Entgeld etwas zum Besten gibt, sich ansonsten überall durchschnorrt.

Mittlerweile gibt es in Otjimbingwe einen richtigen Posaunenchor und es wird fleissig geübt in der Kirche. Für die Instrumente wurde jahrelang gesammelt, im letzten Jahr gab es bereits vier.

                                                   

Evangelisch Lutherische Kirche (frühere Rheinische Missionskirche):

         

Rentenauszahlung am Local Office und Markttag:

           

Viele der Kinder haben noch nie in ihrem Leben Wasser im Swakop gesehen und die Freude ist natürlich groß hier herum zu plantschen! Es heißt der Omusema wäre 10 Jahre nicht abgekommen.

               

Als ich dann mal mit den älteren Mädchen zum Fluß ziehe macht Sister Martha hinterher ziemlichen Ärger, keine Ahnung warum. Hätte ich ihnen das verbieten sollen? Wahrscheinlich neided Sie uns daß wir einen total schönen, fröhlichen Nachmittag miteinander hatten...

           

 

Natürlich fotografiere u. dokumentiere ich wieder viele der Gebäude, Ruinen, Fundamente etc., doch würde das hier den Rahmen sprengen alles aufzuführen. Jedenfalls habe ich mir vorgenommen das nächste Mal einen Laser-Entfernungsmesser mitzunehmen um die Ruinen zu vermessen - bevor alles zusammenfällt und nur noch ein Fall für Archäologen ist...

Gegenüber der alten Militärstation hatte ich letztes Jahr ein paar Flaschenscherben ausgegraben die noch Reste von Etiketten trugen. Die Scherben liegen noch genauso da wie ich sie ein Jahr zuvor zum Fotografieren hingelegt hatte!

                         

Mr. Kumundu sammelt gerade einmal wieder für Geld - damit der alte Friedhof wieder eine Einhegung bekommt nachdem der Zaun geklaut wurde!

Überhaupt fällt gerade in Otjimbingwe immer sehr auf welchen Niedergang der Ort erlebte seit die Weißen hier weggezogen sind. Alles verfällt was hier Generationen von Missionaren, Handwerkern, Farmern usw. mühevoll aufgebaut haben, oft ihr Leben, zumindest jedoch ihre Kraft und Gesundheit hergegeben haben im Dienst für die Gemeinschaft. Und in wenigen Jahren fällt dann alles wieder zusammen, macht sich der typisch schwarzafrikanische Schlendrian wieder breit...

Gerade auch die ehemalige Bibelschule (aus der später das Paulinum hervor ging) mit seinen Nebengebäuden (u.a. ist dort der Kindergarten untergebracht) verfällt immer mehr. Diese Lehmziegelbauten halten natürlich nicht ewig - wenn die Dächer undicht sind. Das ehemalige Wohnhaus steht leer und dient als Gerümpelkammer, in einem Zimmer haust ein junger Mann. Gelegentlich flechte ich die vielen Fotos die ich vom derzeitigen Zustand mache noch hier ein...

Konfirmandenunterricht in der Kirche:

         

Hatte ja bei einem früheren Bersuch Mr. Kumundu auf seinen Wunsch hin "Die Fledermaus" auf Kassette überspielt und mitgebracht. Dann hieß es sein Abspielgerät wäre geklaut. Habe ihm also diesmal meinen eigenen guten Sony-walkmann den ich nicht mehr nutze samt Kopfhörern mitgebracht, nun kann er die Operette hören so oft er will (oder er Batterien hat). Na, wer weiß wie lange das Gerät bei den Zuständen hier hält...

Eines Tages will Mr. Kumundu nach Karibib fahren, hat dort etwas zu erledigen. Habe zwar dort nichts zu tun doch fahre ich gerne mal mit. Ein Herero und eine Frau steigen ebenfalls in den "Klapperkasten". In Karibib angekommen sind die Mitfahrer schnell verschwunden, ich frage Hendrik ob die sich denn nicht - wie allgemein üblich - an den Fahrtkosten beteiligen? Der Herero hätte gesagt er bezahle auf der Rückfahrt, wird allerdings nicht mehr gesehen! So bin ich also mal wieder der Einzige der zahlt...

Natürlich ziehe ich jeden Tag durch den Ort. Als ich eines Tages zum Zelt zurück komme und hinein will glotzt mich ein Köter an der da auf meinem Schlafsack liegt! Den greife ich und expediere ihn natürlich in hohem Bogen raus, merke zum Glück erst hinterher (sonst hätte ich dem vielleicht noch im ersten Ärger was angetan) daß um hinein zu kommen der das Innenzelt total zerfetzte um an ein halbes Toastbrot heran zu kommen! Vollgekotzt ist natürlich auch alles. Kann also erst mal den Schlafsack waschen.

             

Fundstücke:

       

Diverse Funde (alle mit GPS-Koordinaten)

   

Die meisten Patronenhülsen, Geschosse und der Ladestreifen sind vom bzw. um die alte Militärstation (vorher Regierungssitz, zuletzt Polizeistation / Kommissariat) gefunden. 1 Patronenhülse und das Fragment des Ladestreifens sind vom Pulverturm. 2 Patronenhülsen wurden zwischen alter Schule und Swakop gefunden.

Stempelungen:

9 93 P / ... 95 ... / ... MK.7 / unleserl. / unl. / P.M.P. 67 MK.7 / 9 91 S / WA80 7.62 R1M1 / unl. / unl. /

1 96 ... / 12 12 S DM / U44 VII / B82 7.62 R1M1 / unl. / 6 90 ... / unl. / unl. / * ... * ... / U58 MK.7

Stempelungen:

... ... S / P.M.P. 69 MK.7 / unleserl. / NORMA .308 / ... MK.7 / 12 95 S / unl. / unl. / d 4 82 * / 11 91 S /

unl. / unl. / unl. / 8 02 S / U49 MK.7 / unl. / unl. / unl. / 8 02 E S. / G. EGGERSTORFF N. 93 x

oben: Ladestreifen, Ladestreifen Fragment, diverse Geschosse

unten: Patronenhülsen Bodenstempel:
unleserl. / unl. / 2 92 S / ... 96 S / ... 92 ... / HP .308 / (Hülse ohne Boden) / unl. / U53 MK.7

Funde, bis auf den Nagel von der Militärstation:

1. Reihe: Messingteil, geprägt: MAX DOERFEL´S IMPERIAL. GERMANY PAT. 7. April 1891; Teil von Taschenuhr; kleiner Messingknauf; Deckel von Feuerzeug

2. Reihe: kleiner Messing-Verschluss v. Holzkistchen, Löffelstiel - eingeprägt: K 51; Löffelstiel Eisen;

ganz rechts: schmiedeeiserner Nagel

   

 
Der erste Knopf - Umschrift: "WAARENH. FÜR ARMEE UND MARINE" - ist von der Militärstation, die anderen beiden fand ich um Umfeld des Pulverturmes.
Umschrift des zweiten Knopfes: "EDGE BEST RING".
Das Bleisiegel ist ebenfalls ein Fundstück vom alten Regierungssitz und war sicher einmal einem wichtigen Dokument angehängt das leider nicht erhalten ist.

Dieses schwere Eisenteil (Breite: 125 mm) fand ich ebenfalls unweit des alten Regierungssitzes. Die Funktion ist leider nicht ersichtlich, Einwohner denen ich das zeigte meinten das wäre verwendet worden um Kälber am Trinken aus dem Euter zu hindern.

Auf meinen vielen Gängen durch den Ort finde ich natürlich im Sand viele Kleinteile, so u.a. wieder viele alte Steingutscherben:

         

Mittlerweile hat es sich im Ort herumgesprochen daß ich mich für altes Zeug interessiere. So bietet man mir zum Beispiel diese südafrikanischen Münzen zum Kauf an (4 davon Silber), geprägt zwischen 1929 und 1943, den 1-Rand-Geldschein sowie diese scharfe Patrone von 1911.

   

Sister Elisabeth fragt mich eines Tages ob ich ihr Geld leihen könnte! Darauf lasse ich mich natürlich nicht ein, weiß ich doch genau wie sie daß sie es bis zum Tage meiner Abreise gar nicht zurückzahlen kann!

Sister Naomi bringt mir für die Reise 4 kleine Küchlein die sie zu Hause gebacken hat. Die Mädchen fragen ob ich auch in Deutschland an sie denke, sie nicht vergessen werde.

Nach drei Wochen heißt es nun wieder für mich: Abschied nehmen! Gebe der Matron wie jedes Jahr fürs Friedenheim eine Spende gegen Quittung, als sie fragt: "Und fürs Personal?" entgegne ich daß das nicht meine Aufgabe sei (sie hatten weder für Januar noch Februar Gehalt von ihrem Arbeitgeber, der Kirche, bekommen, es heißt die seien - genau wie der namibische Staat - pleite!), sie müßten selbst für ihre Rechte kämpfen, notfalls auch die Eltern der Kinder mit mobilisieren.

Ich wende mich Swakop aufwärts Richtung Lievenberg wo ich das dortige Gefechtsfeld des Herero-Aufstandes aufsuchen will. Unterwegs die frühere Farm "Uitdraai" auf der heute Herero sitzen. Früher wirtschaftete hier Bille Haase. Das alte Farmhaus haben die heutigen Bewohner verfallen lassen. Sie ziehen es vor in einem einfachen Haus nahebei zu leben.

Natürlich finde ich auch hier bald wieder etwas beim Herumstreifen übers Farmgelände. Es liegen einige Relikte aus alter Zeit herum, so außer der alten Singer-Nähmaschine (sicher hat früher die Farmersfrau damit genäht) mehrere Milcheimer. Eine ist aus der Wirtschaft von Eduard Hälbich (Otjimbingwe oder Karibib)! Ein anderer Milcheimer ist gestempelt mit "F. Hein" (Fritzi Hein, Farmer bei Hochfeld), zwei andere mit "H. Wuttig" (Farmer bei Wilhemstal).

                       

Walters Farm beim Lievenberg ist mein nächstes Reiseziel das ich noch am gleichen Tag erreiche. War ja 2014 nur mal kurz hier gewesen , an der letzten Wegkreuzung wo ich zweifle welchen ich nehme höre ich Hundegebell und Ziegengemecker, und so finde ich den Hof dann wieder.

Obwohl Walter ein begnadeter Handwerker ist siehts hier extrem unordentlich aus, das ist genau das was unsere Großeltern als "Hottentottenwirtschaft" bezeichneten (Walter ist aber Damara). Nicht nur daß alles herumliegende Werkzeug nach einem Regenschauer rostig ist, überall das Wasser steht muß auch jedes Klein- oder Ersatzteil erst mühevoll im Chaos gesucht werden, es herrscht ein heilloses Durcheinander. Walter meint zwar ich solle nichts anfassen, "nichts durcheinander" bringen, doch hat er selbst längst den Überblick verloren. Wie soll man bei so einer Wirtschaft je auf einen grünen Zweig kommen?

Walter fragt ob ich nicht auf seiner Farm arbeiten wolle, eine Arbeitsgenehmigung würde er mir über seine Beziehungen besorgen. Ein richtiges Haus will er bauen. Doch habe ich keinerlei Neigung hier meine Lebenszeit zu verschwenden, wird doch alles was man mit mühevoller Hände Arbeit errichtet vom nächsten doch sofort mit dem Arsch wieder eingerissen, und bald sieht alles aus wie zuvor...

           

Vom Großviehbestand hat Walter in der letzten großen Trockenzeit mehr als die Hälfte verloren, Wasser aus dem Swakop gibts mittels Pumpen genug, jedoch keine Weide und 43 Rinder sind verhungert. Nachbar Wilhelm Redecker hatte empfohlen die Rinder in eine andere Gegend auf bessere Weide zu bringen, doch kam Walter nicht dazu da er wegen eines kranken Enkelkindes lange Zeit in Windhoek verbringen mußte und der eingesetzte Verwalter wohl unfähig war. Nun meint Walter daß er pleite sei...
Er beklagt daß die Nachbarn die heute auf der früheren Redecker-Farm "Lievenberg" (alter Name: "Omaningerere") sitzen ihn ständig beklauen würden! Der Farmer dort ist ein Herero - Gerson Kamatuka.

Walter repariert gerade an einen Jeep. Der Besitzer hat eine ganze Menge Motor, Motorsteuerung und Elektrik völlig sachunkundig demontiert, Teile teils verlegt, teil verbummelt. Nun soll Walter aus diesem Chaos wieder einen funktionierenden Motor zusammenpuzzeln!

             

Am nächsten Tag - ich schlief unweit des Farmhauses im Zelt - besuche ich das Gefechtsfeld mit dem Grab des Matrosen Karle.

Später bringt mich Walter mit einem seiner Söhne sowie einem Neffen mit dem Pickup - wegen defekter Batterie dauert es eine ganze Weile den Wagen überhaupt zu starten - ein ganzes Stück im Bett des Swakop flussaufwärts, es ist für den großen Wagen eine ziemliche Quälerei über Stock und Stein, als es nicht mehr weiter geht schieben wir mein Fahrrad teils zu viert durch tiefen Sand, über Geröllfelder, Berge und Klippen stundenlang bei sengender Hitze zur Redecker-Farm "Westfalenhof", kommen dort mächtig erschöpft an.

         

Westfalenhof (früherer Name: Ondujatjikende):

Walter hatte über Herrn Redecker in den höchsten Tönen gesprochen - umgekehrt ist das leider nicht der Fall. Immerhin bringt er Walter und seine Jungs zurück zu ihrem Wagen. Ich darf auf der Redecker Farm herrlich duschen und kann unterm Windrad im ehemaligen Generatorenhaus nächtigen da es mächtige Regengüsse gibt. Bekomme sogar noch zwei Flaschen Bier vorbeigebracht.

   

Am nächsten Tag geht es weiter nach Klein Barmen.

Beim Herero-Aufstand ermordete Farmer, Inschrift:

Der Farmer Hermann Lange
geb. in Fegesack bei Bremen
am 17. Jan. 1874
gest. in Klein Barmen
am 12. Jan. 1904

und sein Bruder Hans Lange
geb. in Fegesack bei Bremen
am 27. Juli 1876
gest. in Snej Rivier
am 12. Jan. 1904

 

Campiere eine Nacht gedeckt im Busch. Stundenlang gehe ich das Gefechtsfeld ab. Leider ist nach der Regenzeit der Niederwuchs sehr dicht und ich mache keine Funde, trete beim Fotografieren dafür beihahe auf eine große, armdicke Puffotter die sich langsam und fauchend zwischen die Klippen zurückzieht! Da ist mir das Herz ganz schön in die Hose gerutscht... (Funde im Zusammenhang mit dem Herero-Aufstand siehe hier).


Gefechtsfeld Klein Barmen

Von den Kaktusfeigen hatte ich mehrere gegessen, das hätte ich mal lieber nicht tun sollen. Bekomme später mächtigen Durchfall, liege den Rest des Tages und die Nacht mit argen Kopfschmerzen und Schüttelfrost im Zelt!

             

Da meine Lebensmittelvorräte zu Ende sind und ich mich mächtig schlapp fühle erspare ich mir einen Besuch des Gefechtsfeldes von Groß Barmen. Der Ort ist nicht mehr abgesperrt, ich komme durchs mächtige Tor in die Anlage die ich zum ersten Mal betrete - das Ganze sieht aus wie eine riesige Invest-Ruine die den Charme einer großen Bunkeranlage hat! An der Rezeption ist ein kleiner Shop in dem es nichts gibt als Alkohol, Coca Cola, Brennholz usw. - nichts zu essen außer Keksen. Frage ob ich mal den Campingplatz kurz sehen kann um einen kleinen Eindruck zu bekommen vielleicht fürs nächste Mal, doch als ich dafür zahlen soll verzichte ich dankend, fahre gleich weiter nach Okahandja.

Nicht weit vor einem Farmgelände an der Straße die beiden seit Jahren hier abgestellten Reisezugwagen (mehr Details zur Eisenbahn in Afrika hier).

                           

In Okahandja halte ich mich diesmal nicht lange auf, erledige nur die nötigen Einkäufe (bin total ausgehungert) und fotografiere einige historische Gebäude. Natürlich nehme ich am Holzschnitzermarkt noch einen guten Kaffee und checke meine emails.

         

Bahnhof (mehr Details zur Eisenbahn in Afrika hier):

       

Auf der B1 nach Windhoek:

     

Windhoek:

Bisher hatte ich einen längeren Aufenthalt in der Landeshauptstadt nach Möglichkeit vermieden, doch diesmal mache ich hier eine Woche Station um mich mit einigen Wissenschaftlern der "Namibia Wissenschafliche Gesellschaft" (Namibia Scientific Society) zu treffen. Werner Hillebrecht, bis 2015 Leiter des Nationalarchivs, beantwortet mir allerdings schon meine wichtigsten Fragen und somit habe ich viel Zeit Windhoek zu erkunden, vor allem einmal die vielen noch vorhandenen historischen Bauten zu sehen.

Vom Katatura Krankenhaus (katutura state hospital) bzw. den Zuständen darin gibt es ja viele, haarsträubende Berichte! Ob sich dort inzwischen viel an den Verhältnissen geändert hat kann ich nicht beurteilen.

 

Das "Urban CampDas " ist nun wieder mein Basislager.

       

Historische Gebäude:

Kaiserliche Landesvermessung:

       

                   

Christuskirche:

                 

Regierungsgebäude - "Tintenpalast":

                 

Museum - "Kaffeemühle" neben der alten Feste:

                               

   

Im Stadtteil "Pionierpark" treffe ich auf den Fuhrpark von Reiseveranstalter Carsten Möhle ("Bwana Tucke-Tucke"), sehe an einem der nächsten Tage auch mal den Jeep mit Touristen durchs Zentrum kurven.

 

Katholische Kirche St. Bonifazius (Roman Catholic Church - St. Boniface Parish). Mit dem betagten Priester unterhalte ich mich lange, als ich berichte daß ich bei Klein Barmen fast auf eine große Puffotter trat hat er gleich den richtigen Psalmspruch parat, etwa: "Und wenn du auf Ottern und Nattern wandeltest - der HERR wird dich beschützen..."

   

Pionierpark Heldendenkmal:

 

historische Bauten:

                           

                             

     

   

Ruinen:

           

"10-Mann-Haus"

                           

                         

Klein Windhoek, Friedhof der Schutztruppe:

   

Klein Windhoek, frühere Rheinische Missionskirche:

   

Klein Windhoek, ehemaliger Friedhof:

       

Denkmal für Gefallene im Ovamboland:

     

Bahnhof (mehr Details zur Eisenbahn in Afrika hier):

                                                                                                                                                                                                     

Veterinärmedizinisches Institut (state veterinarian / central veterinan laboratory), ursprünglich wollte ich nur die Fassade fotografieren, frage extra beim Empfang. Die müssen allerdings erst eine Genehmigung von höherer Stelle für mein Anliegen einholen! Das Ganze dauert mir zu lange und ich bin schon längst geneigt zu verzichten als eine entsprechend befugte Angestellte erscheint und die Genehmigung erteilt. Ich darf dann nach einigem Zögern - ursprünglich interessierte mich nur die historische Bausubstanz - gleich die ganze Einrichtung besehen...

                         

Meine Reise endet wieder auf der Farm unweit des Flughafens wo ich auch wieder mein Fahrrad unterstelle. Verwalter Manfred bringt mich samt meinem schweren Gepäck wie üblich mit dem Auto zum Flughafen. Noch auf dem Farmgelände stellt er einen Mann zur Rede der hier nicht hingehört, er behauptet seine Schwester besuchen zu wollen. Als Manfred nach dem Namen der Schwester fragt nennt der Mann irgendeinen Namen - eine Frau dieses Namens arbeitet jedoch nicht auf der Farm. Manfred fordert den Mann nun auf das Gelände umgehend zu verlassen.

Als ich dann zwecks Durchfahrt das Farmtor öffne ruft Manfred aufgeregt, ich denke mir nichts weiter bei und nehme an daß er den Mann meint, doch weist er mich auf eine kleine, etwa 30 cm lange afrikanische Speikobra hin auf die ich mal wieder fast draufgetreten bin! Auch diese Schlange ist sehr giftig, normalerweise jedoch nachtaktiv. Und gerade wenn noch jung ist ihr Gift am gefährlichsten, sind sie doch so klein selbst leicht Opfer anderer Tiere. Da habe ich also mal wieder mächtig Glück gehabt!

Der Flug verläuft dann wieder via Lusaka und Amsterdam recht unspektakulär, am nächsten Tag bin ich wieder in Berlin...

* * *

© 2017 Burkhart Rüchel      zur homepage