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Burkhart Rüchel

AFRIKA
2016

arche-foto.com

in 1oo Tagen

von ehemals Deutsch Ostafrika ins frühere Deutsch Südwestafrika

(Mauszeiger auf Bild zeigt Bildtitel, unterstrichene u. fett gedruckte Wörter sind weiterführende links)

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Seite I

Eine neue Auszeit habe ich bitter nötig. Mal wieder weg von dem ganzen Irrsinn in dieser Stadt, in diesem Land!

Reisevorbereitungen:

Diese sind diesmal etwas umfangreicher und beginnen bereits im Oktober/November 2015. Neben umfangreichen Recherchen zur Geschichte der kurzen deutschen Zeit in Teilen Afrikas baue ich für diese Tour ein neues Fahrrad zusammen: ein Poison-MTB dessen Rahmen eigentlich noch für das alte Afrika-Rad gedacht war. Doch da dieses insgesamt schon mächtig verschlissen gewesen (der Rahmen verzogen nach einem Unfall, verursacht durch den Berliner Taxi-Fahrer Ralf Tätweiler - ich bin nicht der erste Radfahrer den der mittels plötzlichem Türaufreißen zum Überschlagen brachte) schlachtete ich das im Frühjahr 2015 am Windhoeker Flughafen. Es ist wieder ein CrMo-Stahlrahmen, mit Manitou-R7-Federgabel vorn (120 mm Federweg), 14-Gang-Rohloff-Getriebenabe, verstärkten Felgen/Speichen, 2.25er Reifen mit 3mm Pannenschutz (Schwalbe Sam Plus, als Ersatzreifen ein faltbarer Schwalbe Marathon Mondial Double Defense 2.15).

Ende November beginnt auch der Impf-Marathon (da wird man arm bei - incl. kleiner Reiseapotheke über 8oo Eu): Gelbfieber, Cholera, Hepathitis A+B, Tollwut. Nur ein Impfstoff gegen Typhus ist weder aufzutreiben noch lieferbar. Wahrscheinlich hat Flinten-Uschi alle Bestände beschlagnahmen lassen - für ihre neue Sölnertruppe am Hindukusch (zuletzt kriege ich dann doch noch die Schluckimpfung Typhoral). Einen Teil der Impfungen macht mein Hausarzt des Vertrauens, den größeren Teil die bei Globetrotter in Steglitz ansässige Filiale der Charité. Nur die Frage nach einem Notfallmittel bei Schlangenbissen kann man mir auch hier nicht beantworten. Bei tropeninstitut.de die mir schon eine große Reiseberatung zusammen stellten erfahre ich auf Anfrage - ich schrieb daß in zeitgenössischer Literatur erwähnt wird daß die dt. Schutztruppe Kaliumpermanganat als Notfallmittel mitführte - hierzu folgendes:

"Im Gegensatz zu den Einsätzen der deutschen Truppen kommt ein heutiger Tourist nur noch selten mit Schlangen in Kontakt. Außerdem stehen inzwischen dtl. wirksamere Antiseren zur Verfügung. Sollten Sie gebissen werden, wird Ihnen ein Arzt vor Ort helfen. Sie sollten bis dahin die betroffene Gliedmaße ruhig lagern, Maßnahmen wie Abbinden oder Spülungen mit Kaliumpermanganat o.ä. werden heute nicht mehr empfohlen.
In der Regel ist es ausreichend, feste Schuhe zu tragen und die Pfade nicht zu verlassen."

Ist das alles was denen einfällt? Typisch daß sich sowas "Experte" (absolutes Unwort) nennt! Solchen x-beliebigen Rat bekommt man an jeder Ecke, dazu braucht man keinen Tropenmediziner. Doch sehe ich mich nicht gerade als "heutigen Touristen". Dieser fährt ja bekanntlich in Afrika gewöhnlich im vollklimatisierten Allrad-Jeep den Reiseführer ab - von Lodge zu Lodge um sich dort mehr oder weniger von vorn bis hinten rundum sorglos pampern zu lassen...
Begegnungen mit gefährlichen Schlangen hatte ich bereits einige, allerdings bewahrte mich ein gnädiges Schicksal bisher vor Bissen. "Ärzte vor Ort" werden auf meiner Route eher selten anzutreffen sein - und wenn ist die Frage ob man sich dort "im Busch" den einheimischen Medizinern bzw. Einrichtungen anvertrauen mag. Selbst im als zivilisiert geltenden Namibia kann ich nur jedem abraten außerhalb Windhoeks sowie den 3-4 anderen großen Städten sich dortiger med. Hilfe blindlings anzuvertrauen! Das Gesundheitswesen ist, ebenso wie das Bildungswesen, seit der Unabhängigkeit arg heruntergekommen. Trotz jährlich zig Millionen deutscher "Entwicklungshilfe"...
Abgesehen davon können es sich die wenigsten kleinen med. Einrichtungen leisten Schlangenseren vorrätig zu halten! Zumal diese auch nur eine begrenztes Haltbarkeit haben.

Zum Rat zwecks festem Schuhwerk kann ich nur entgegnen - etwa in Namibia beißen laut Aussagen Einheimischer Schlangen meist oberhalb des Schuhwerkes - wenn man nicht gerade kniehohe Stiefel trägt was niemand wegen der extremen Hitze macht. Von sog. Speischlangen die bis zu 3 Metern gezielt ihr Gift in die Augen des Opfers spritzen (und außerdem noch giftig beißen) ganz zu schweigen.

Wie ich schon erwähnte hatte die dt. Schutztruppe Kaliumpermanganat als Notfallmittel im Gepäck. Im Internet liest man einiges dafür - und ebenso dagegen. Es wird auf die stark oxydierende Wirkung hingewiesen auf eine Reihe von Toxinen, so auch Schlangengifte und eine Anzahl Alkaloide. Hätte nicht Wasserstoffperoxyd möglicherweise die gleiche Wirkung? Jedoch wie verabreicht man das jeweils? Abgesehen davon ist Kaliumperm. ein starkes Umweltgift was man nicht unbedingt mit sich herumführen mag. Andere raten zu aufschneiden und ausbluten/-schwemmen lassen was erstmal logisch klingt. Was würde wohl olle Rüdiger Nehberg raten?

Doch da ich auch im Internet und über verschiedene Foren keine Klarheit über ein "Notfallmittel bei Schlangenbissen" bzw. "Verhalten im Notfall" bekomme bestelle ich mir bei den "Weißen Vätern" in Belgien sicherheitshalber einen Satz Schlangensteine...

Der Aufbau des neuen Fahrrades wird ebenfalls zur kostspieligen, vor allem zeitraubenden Aktion. Bei Komponentix lasse ich mir das Hinterrad mit der Rohloff-Getriebenabe montieren, das Vorderrad baut mir Poison nach meinen Anforderungen zusammen. Die lokalen Fahrradläden abzuklappern ist reine Zeitverschwendung, die bedienen nur den Sonntagsfahrer-Massenmarkt und haben selten brauchbares Material. Kompetente Leute die mehr als die Werbung zitieren können sind rar. Meist hört man: "Sowas gibt es nicht" oder: "Haben wir nicht". Bestenfalls könne man was bestellen (das kann ich ebensogut und wesentlich günstiger selber tun), und dann wollen die einem andrehen was sie vorrätig haben. Hauptsache schön bunt. So bleibt also doch der Marathon alles im Internet raussuchen zu müssen. Wer jemals ein Fahrrad nach eigenen Vorstellungen selbst aufgebaut hat weiß wie viele verschiedene Händler, Hersteller, Systeme, Standards, Maße etc. es gibt! Heute passt ja kaum noch etwas zusammen, ändern doch die Produzenten alle paar Jahre die bewährten Standards um den Kunden "was Neues" anzudrehn. Man bedenke - das allgemein gebräuchliche Fahrrad mit Diamant-Rahmen wie wir es kennen wurde vor ca. 130 Jahren entwickelt und ist nahezu perfekt! Seitdem hat sich nichts wesentlich verändert. Das Rad wird nicht andauernd neu erfunden wie uns die Hersteller stets weismachen wollen. Das Meiste was der Normalverbraucher heutzutage für teures Geld angedreht bekommt ist überflüssiger Schnulli!

Mitte Dezember ist dann das neue Fahrrad nahezu komplett (Kosten: knapp 3000 Eu). Einige Teile aus meinem Fundus wie Bremsen, Vorbau und einige Kleinteile finden ebenfalls wieder Verwendung. Diese Rohloff 500/14 ist meine erste Getriebenabe überhaupt, habe mit sowas noch gar keine Erfahrungen. Auf Anhieb ist - nach der der Nabe beiliegenden, umfangreichen Anleitung - die Schaltung richtig montiert und eingestellt, die Probefahrten (ca. 150 km) verlaufen zufriedenstellend ohne besondere Vorkommnisse. Allerdings sind einige Teile überhaupt nicht zu bekommen und es bleibt wieder einmal nur Improvisation. So zum Beispiel bei der vorderen Kotflügelbefestigung, und für die Federgabel ein Staub- und Spritzschutz beim Übergang von Stand- zu Tauchrohren. Für vorn ist kein brauchbarer Gepäckträger zu bekommen.

Aufwendig stelle ich eine ungefähre Reiseroute zusammen. Nachdem ich die Gesamt-Entfernungen überblicke muß die Strecke jedoch deutlich gekürzt werden. Den Victoria-See zu umrunden und einige Länder wie etwa Uganda, Rwanda und Burundi fallen aus dem Programm. Einfach schwer fassbar weit ist Afrika für uns an Enge und kurze Entfernungen gewohnte Europäer!

Flug und Ankunft in Afrika:

Am 20. Januar 2016 fährt mich Matthias samt Gepäck zum Flughafen Berlin Tegel. Allein die Tasche mit dem Fahrrad wiegt 35 kg und muß zur Sperrgepäck-Aufgabe. Dort gescannt sehe ich die bunte, eindrucksvolle Grafik auf der sämtliche Einzelteile zu erkennen sind. Leider darf ich kein Foto von machen.

Der Flug geht mit Qatar Airways (ca. 2 Stunden Zwischenstop in Doha, Katar, am persischen Golf; die Mitnahme des Fahrrades als Sportgepäck ist kostenlos) in zusammen 16 Stunden nach Nairobi, der Hauptstadt von

Kenya:

Landung und Ankunft auf dem Jomo Kenyatta International Airport bei strömendem Regen der jedoch bald aufhört. Zum Glück kommt das Fahrrad mit mir zusammen an. In einer stillen Ecke baue ich alles zusammen, einige Flugplatzangestellte finden sich ein und verfolgen interessiert die Montage. Es dauert auch gar nicht lange und ich bin startklar. Wegen der fortgeschrittenen Tageszeit schwierig eine Bank zum Geldtauschen zu finden sowie einige Lebensmittel einzukaufen, fahre deshalb auf der heftig befahrenen Mombasa Road einige Kilometer Richtung Zentrum ehe ich nach langem Suchen einen funktionierenden Geldautomaten und dann auch einen kleinen Supermarkt finde. Sonnenschutz-Creme bekomme ich leider nirgends, auch in den folgenden Tagen nicht - die Afrikaner brauchen sowas nicht.

Die ganze Gegend ist extrem dicht besiedelt, verdreckt und vermüllt. An einer Tankstelle will ich den Reifenluftdruck überprüfen, doch die Luftsäule - es gibt sogar eine Druckanzeige - ist abgeschlossen. Muß eine Servicekraft heranrufen. Es finden sich mehrere Männer ein, sie lassen die Luft zum größten Teil ab und sind durch nichts zu bewegen die Reifen richtig aufzupumpen - angeblich würden sonst die Schläuche platzen! Da ich keine Lust habe auf halbplatten Reifen weiter zu fahren oder bei der Hitze mühevoll die kleine Handpumpe einzusetzen nehme ich dann die Sache selbst in die Hand...
Später geht es wieder aus dem Stadtgebiet heraus Richtung Mombasa, zuerst parallel zur Autobahn an den Bahnschienen entlang. Muß später allerdings doch auf die A109. Komme nicht mehr allzuweit da der Tag vorbei, schlafe mehr oder weniger am Straßenrand im hohen Gras.

               

Bereits am ersten Reisetag reisst von der einen Vaude-Packtasche die Halterung heraus, und das bei Fahrt auf reiner Asphaltstraße! Dabei machten diese Taschen zunächst einen guten Eindruck, schienen viel besser als die ollen, labbrigen Ortlieb-Packtaschen zu sein. Doch das scheinbar gut durchdachte System mit der stabilen Fläche auf der Innenseite taugt überhaupt nichts, das Material ist absolut minderwertig (wie der Hersteller behauptet aus recyceltem Kunststoff - doch produzieren die auf solche Weise nur neuen Sondermüll). Die zweite Tasche geht dann am vierten Reisetag bei der ersten Bodenwelle eines Landweges genauso kaputt! Mühselig muß ich nun die Taschen provisorisch mit wohlweislich mitgenommenem Gurtband am Gepäckträger befestigen - das hält dann die nächsten schätzungsweise 6.ooo km bis zum Ende der Reise!

Rast an einer Tankstelle, nehme in der "fruit bar" einen halben Liter leckeren Mangoshake, bestelle später noch einen "white coffee" für 70 Shilling. Dieser entpuppt sich als eine Tasse heissen Wassers und einem Tütchen Instant-Kaffee. Unterhalte mich eine Weile mit einem Pastor der hier auf seine Mitfahrgelegenheit wartet.

                     

Werde das erste Mal damit konfrontiert daß gelegentlich kleine Kinder bei meinem Anblick weglaufen bzw. anfangen zu schreien. Die haben noch nie einen weißen Mann gesehen! Das erinnert mich an ein Spiel aus Kindertagen: "Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?" wobei keinesfalls ein Neger gemeint war, hatten wir doch damals selbst noch keinen gesehen. Es war wohl eher die Angst vor dem Unbekannten, vor Dunkelheit und sonstwas. Wie das Spiel allerdings ging erinnere ich nicht mehr...

                   

Von einem kleinem Metallbau-Betrieb an der Hauptstrasse lasse ich mir nach meinen Vorstellen (ich mache fix eine Skizze) zwei Gepäckträger für die Vorderrad-Gabel bauen die später mittels mitgebrachter Schrauben und Rohrschellen mit Gummieinlage montiert werden. Interessant zu sehen wie hier gearbeitet wird: zum Anreißen nimmt man einzelne Metall-Sägeblätter, zum Schneiden des Flachstahls nutzt man nicht eine vorhandene Metall-Bügelsäge oder die Flex (einen Schraubstock gibt es auch irgendwo) sondern trennt nach Anzeichnen einfach mit Hammer und Meissel. Das geht auf jeden Fall schneller. Die Löcher werden nicht gebohrt sondern mit E-Schweissgerät und Elektrode eingebrannt! Ein Bohrer liegt irgendwo im Sand, jedoch so falsch angeschliffen daß damit keine Bohrung möglich wäre. Geschweisst wird mit einfacher Sonnenbrille und zugekniffnen Augen, geflext natürlich ohne Gehörschutz. Ob meine Hinweise zum Arbeitsschutz bereits auf taube Ohren stießen?

Als alles fertig und montiert ist zahle ich 1500 Shilling an den Chef. Der Arbeiter selbst will auch noch Geld, doch der Meister meint das sei nicht nötig, da hatte ich dem jedoch schon 200 Shilling in die Hand gedrückt.

Die schwarze Farbe erweist sich allerdings als schnöder Bitumen-Anstrich, das "Trocknen " dauert dann mehr als einen Tag! Jedenfalls bewähren sich diese Träger, mittels kleinen Spanngummies befestige ich auf einer Seite den faltbaren Schwalbe-Ersatzreifen und auf der anderen Seite die Laufrad-Transporttaschen.

                   

Die Mombasa Road ist in gutem Zustand, zwar recht starker Verkehr - doch je weiter man von Nairobi weg ist einigermaßen sicher. Anfangs gibt es noch einen etwa anderthalb Meter breiten Randstreifen. Es geht über die Orte Kyumvi, Salama, Sultan Hamud bis Emali. Sehe auf der Strecke keinen Weißen, erlebe die Menschen als angenehm, entspannt, höflich und aufgeschlossen, etwas aufdringlich nur die vielen Straßenhändler die ihre Waren loswerden müssen. Eine brauchbare, halblange Hose ist leider nirgendwo zu bekommen.

Gelegentlich geht es bereits über Berge. Sobald meine Geschwindigkeit auf 8 Kilometer pro Stunde absinkt steige ich ab und schiebe. Bei einer Abfahrt erreiche ich 50 km/h.

                     

In Nairobi hatte ich bloß 5000 Shilling abgehoben von denen nur noch 650 übrig sind. Hoffe damit bis zur Landesgrenze zu kommen. Hinter Emali verlasse ich die Hauptstrasse, auf der C102 geht es nun gen Süden. Das nächste Reiseziel ist Taveta, südöstlich des Kilimandjaro. Hier werde ich die Grenze nach Tanzania passieren dem dieses Mal mein hauptsächliches Interesse gilt.

Der Mount Kilimanjaro National Park ist nicht weit und wohl nicht ganz ungefährlich hier mit dem Fahrrad zu fahren und zu campen. Doch die einzigen großen Tiere denen ich begegne sind etwa 15 Giraffen. Zuletzt sichert ein großer Bulle die Straße bis ein Kalb hinüber ist, dann verschwindet auch er wieder im Busch.

Der Kilimanjaro ist bald weithin zu sehen. An der Straße ein großes "Massai Culture Center" mit Namen: "Safari Kurio Shop". "Food, Drinks and touristic activities - Welcome". Über dem hohen Tor steht "Woman Cooperative". Fahre auf das große Gelände und steuere die Bar an wo ich hoffe einen Kaffee zu kriegen. In einem Pavillion sitzen 4 Männer bei Bier und Schnaps. Nach einer Weile kommt eine Frau bei der ich meine Bestellung aufgebe, doch statt einen Kaffee zu machen lotst sie mich in den Andenkenladen nebenan. Ich äußere mich anerkennend zu den teils sehr hübschen Arbeiten, doch kann ich kaum bereits am Beginn meiner Reise meinen knappen Fahrrad-Transportraum mit sperrigen, zerbrechlichen Souveniers füllen. Die Frau schaut bereits recht grimmig, auch nachdem ich meine Kaffee-Bestellung wiederhole. In der Bar sind die Wände mit 2 hübschen Zeichnungen dekoriert, als ich frage ob ich die fotografieren darf verlangt sie 200 Shilling und ich verzichte. Da die Frau immer noch grimmig schaut frage ich ob sie ein Problem hat, meine daß ich auch gehen könne. Darauf sie: "Bye bye!".
Das ist deutlich, meines Bleibens länger nicht. Als ich dann außerhalb des Anwesens dieses erste unangenehme Erlebnis auf Band spreche kommt die Frau noch angescheißert, lasse sie die hundert Meter heran kommen, schwinge mich aufs Rad und verlasse diese ungastliche Stätte, kümmere mich nicht darum was sie vielleicht noch zu sagen hätte.

 

Am Abend passiere ich eine große Polizei-Sperre mit 5 oder 6 Tarnuniformierten, wir unterhalten uns eine Weile, gebe Auskunft über mein Woher und Wohin. Einer hat ein Sturmgewehr umgehängt, ich frage was das für ein Fabrikat ist, er meint: "from Germany". Doch ist das Modell eine AK-47, die in Afrika weit verbreitete Kalaschnikow. Erzähle daß uns im Ostteil Deutschlands nach 49 Jahren sowjetischer Besatzung diese Waffen nicht unbekannt sind. Einer schenkt mir noch zwei Kekse, dann geht es weiter und ich schlage bald ein paar Steinwürfe abseits der Straße mein Nachtlager auf.

In einem Dorf während der Unterhaltung wieder einmal mit einem Polizei-Posten spricht mich ein junger Mann in bestem Deutsch an. Robinson lebte einige Jahre in der Dunckerstraße im Berliner Prenzlauer Berg, kennt natürlich den Mauerpark und die interessantesten Ecken, auch leben zwei seiner Kinder noch dort. In einer kleinen Bar, eine einfache Bretterbude, spendiert er zwei softdrinks, die Anwesenden sind am späten Vormittag schon mächtig trunken. Ein Lehrer kann sich kaum noch verständlich machen. Als plötzlich jemand ohne ersichtlichen Grund aggressiv wird verlassen wir das Lokal.

Später, bei einer Rast, werde ich das erste Mal angebettelt - obwohl ich dem Peter lang und breit meine eigene, prekäre Situation geschildert hatte. Er arbeitet in Mombasa als tourgide - verdient man da so schlecht daß man noch arme Reisende anbetteln muß?

An einer neuen Shell-Tankstelle - sie ist gerade vor 3 Wochen eröffnet worden - kann ich herrlich duschen. Leider hält die Erfrischung bei der Hitze nicht lange an.

Weiter geht es bis Oloitokitok. Es ist schon mächtig dunkel, im sehr belebten Zentrum spricht mich eine Bordsteinschwalbe an. Verfehle den Abzweig und finde mich kurz vor der Grenze nach Tanzania wieder. Habe Mühe aus der Stadt heraus zu kommen, ein Ort reiht sich an den andern und es ist ganz finster als ich endlich in einem Maisfeld mein Zelt aufbauen kann.

         

Auf einer kleinen Nebenstrecke an der Landesgrenze entlang über die Orte Laset, Ngomo nach Illasit. Ab dort geht es dann auf unbefestigten Wegen weiter.

               

Über den Tsavo-Fluss nach Rombo, Njukini, Chumvini, Chala, Timbila Richtung Hauptstraße A23 nach Taveta. In Rombo kaufe ich in der "Milchbar" (ist eher eine Milch-Tankstelle) zwei Becher leckere Milch in der kleine Eisstückchen schwimmen. Fürchte daß mir das nicht bekommt, doch geht alles gut.
Am kleinen Obststand am Wegesrand gibts für 50 Shilling 3 mittelgroße Mangos, 4 Bananen und zwei Kartoffeln, sehe wie andere im Rinnsal hinter dem Stand ihre Mangos abwaschen und danach samt Schale essen! Probiere das daraufhin auch einmal, doch schmeckt die Schale recht bitter.

                 

Auf einem Trampelpfad der sogar in den Nokia-Telefon-offline-Karten eingezeichnet ist geht es weiter, muß nur aufpassen dass ich den nicht verliere wegen vieler Abzweige. Nachdem ich in einem kleinen Kanal herrlich gebadet kommen zwei Leute an, der eine total besoffen. Krakeelt (mit Schaum vorm Mund) laut umher was er doch für ein supertoller Kämpfer wäre und welche Kampfsportarten er alle beherrscht! Na, ein Stups mit dem kleinen Finger genügte um den zwecks Abkühlung in den Kanal zu expedieren. Doch trollt er sich bald - ohne seine Kampfkünste unter Beweis gestellt zu haben...
Bettelnde Kinder, Bananenstauden am Wege, Bewässerungskanäle. Auf dem Feldweg kommt mir ein hochbeladener LKW mit 3 Männern und einer Frau entgegen, hält. Einer der Männer fragt ob ich eine Frau brauche - ich danke und sie fahren weiter.

Später erinnert das Landschaftbild fast an Gegenden in Mecklenburg-Vorpommern, von der Hitze abgesehen! Weite Ackerflächen, teils Mais angebaut, andere bereits abgeerntet. Breite Landwege von alten Bäumen gesäumt, Masten mit Stromleitungen nebenher. Eine "Kolchose" - großer landwirtschaftlicher Betrieb der vielen Menschen Arbeit gibt. Schöne Grundstücke an einem Kanal. Am kleinen See der sich am Ende des Kanals gebildet hat bereite ich mein Nachtlager, es kommen nur zwei Jungens mit einem Hund vorbei.

                   

Bahnlinie nach Taveta (mehr Details zur Eisenbahn hier):

Diese Bahnlinie ist ein Abzweig von der Uganda-Bahn und diente im Ersten Weltkrieg der Versorgung der britischen bzw. alliierten Invasionstruppen mit Nachschub für die Kämpfe in Deutsch Ostafrika.

             

   

Gefechtsfeld des Ersten Weltkrieges östlich Taveta (deutsche Bezeichnung: El Oldorobo, britische: Salaita Hill):

Taveta war die einzige Stadt außerhalb Deutsch Ostafrikas die von der deutschen Schutztruppe erobert und einige Zeit gehalten wurde. Patronenhülsen oder andere Relikte sind - bis auf eine moderne Hülse und die Reste zweier historischer Exerzier- bzw. Übungspatronen aus Kunststoff - weder in diesen Stellungen noch im Gefechtsfeld zu finden. Wahrscheinlich haben die Massai diese im Laufe der Zeit eingesammelt und zu Schmuckstücken verarbeitet. Jedenfalls ist er irre heiß und entsprechend erschöpfend stundenlang das Gefechtsfeld und die Stellungen abzusuchen. Bin nur mit Fototasche und einer Flasche Wasser unterwegs, das Fahrrad ist solange unter meiner NVA-Plane (ein-Strich-kein-Strich) im Gebüsch versteckt.

                   

Die Hauptstraße nach Taveta wird ganz groß ausgebaut, doch noch vor Taveta geht sie wieder in eine furchtbare Buckelpiste über.

Taveta Bahnhof (mehr Details zur Eisenbahn hier):

Unterhalte mich mit dem Bahnhofsvorsteher und dem Sicherheitsmann. Der Bahnhof und das Gleis ist tot, der Bahnbetrieb hier eingestellt. Irgendwo soll es auch noch eine Drehscheibe geben.

                                           

Der Ort Taveta nicht weiter erwähnenswert. Sehr schlechter Straßenzustand. Zur Grenze ebenfalls schlechte, verschlammte Wege. Am Abend der Grenzübertritt nach Tanzania ist recht unspektakulär, zwar gibt es eine große Gepäckdurchleuchtungsanlage doch ich brauche nicht absatteln. Natürlich viele Fragen nach meinem Woher und Wohin, dann sind die Formalitäten schnell erledigt. Muß nur einmal bei der Ausreise aus Kenia - und dann nochmal bei der Einreise nach Tanzania meine Fingerabdrücke geben.

Tanzania:

   

In Moshi auf die Bank zum Geld Tauschen, dann in ein Restaurant, mal wieder etwas ordentliches essen. Stelle das Fahrrad so ab daß ich es im Blick habe, doch parkt ein Wachmann das einfach um. Auch vor dem Supermarkt macht sich ein Wachmann wichtig und verbietet mir das Abstellen davor (je kleiner der Dienstrang desto größer die eingebildete Wichtigkeit), nachdem ich mit seinem Vorgesetzten gesprochen habe kann das Rad dann stehenbleiben. Als ich mich mit einem Eis auf die Terrasse eines Cafe´s setze und einen doppelten Espresso trinke (hier gibt es seltenes w-lan) kommt nach einer Weile die indische Betreiberin an, stellt ein Schild auf dem Tisch laut dem das Essen von mitgebrachten Sachen unerwünscht ist, meckert herum daß ich auch Eis bei ihr kaufen könne. Na, ich stehe auf und lutsche das Eis vor dem Laden zu Ende, setze mich dann wieder zu meinem Espresso.

Moshi Bahnhof (mehr Details zur Eisenbahn hier)

Der Bahnbetrieb Tanzanias stammt noch aus Kaiser Zeiten und wurde von Deutschen errichtet (1000 mm Spurweite), später von der britischen Kolonialmacht ausgebaut. Vor vielen Jahren nahezu komplett eingestellt gibt es nur noch wenige Sonderfahrten auf Teilstrecken. Immerhin scheint das Hauptgleis zwischen Arusha/Moshi und Daressalaam/Tanga noch weitestgehend intakt zu sein, doch die allermeisten Nebenanlagen sowie überhaupt die Bahnanlagen sind defekt oder demontiert. Seit ein paar Jahren wird die Eisenbahn privat betrieben und es finden wieder einige Bauprojekte statt. Außerdem sind die in Afrika sehr aktiven Chinesen am Bahnprojekt der Tanzania-Zambia Railways beteiligt. Diese in Kapspur (1067 mm) errichtete Strecke soll Daressalam über Mbeya nach Sambia an das südafrikanische Bahnnetz anbinden.

Der weitläufige Bahnhof interessiert mich. Das Bahnhofsgebäude ein Fachwerkhaus: Balken und Lehmziegel. Freunde mich mit dem Bahnhofsvorsteher an und kann bald alles fotografieren. Als ich mich am Abend nach einer günstigen Übernachtung erkundige darf ich nach kurzem Zögern sogar in seinem Hause schlafen, lerne seine Frau Hilda, zwei Töchter und zwei Söhne kennen. Bei Evod steht neben einem alten Land Rover sogar noch eine ostdeutsche MZ im Schuppen. Nächsten Morgen genieße ich das gemeinsame Frühstück, begleite Evod zurück zum Bahnhof. Es ist eine schöne Begegnung die in Erinnerung bleiben wird.

Während ich die Bahnanlagen ablichte erscheint ein älteres, deutschstämmiges australisches Paar das hier auf den Spuren ihrer Ahnen unterwegs sind. Dazu noch ein ehemaliger Österreicher, wir unterhalten uns eine Weile angeregt.

                                                                                                                                                                                                                                                               

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