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Burkhart Rüchel

TANZANIA
2018

arche-foto.com

mal wieder:

acht Wochen mit dem Fahrrad unterwegs...

Themen-Sammlung

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Seite I

Es war wie immer eine interessante, erlebnis- u. erfolgreiche Tour mit dem bewährten Expeditionsrad. Habe wieder so vieles gefunden, erworben und auch Beute gemacht daß ich schnell zu viel Gepäck durch die Lande schleppte und meine Planung bald zusammenstreichen mußte.

Nur so viel sei schon vorab verraten: ich fand hunderte alter Patronenhülsen (überwiegend Modell 1871), eine Handvoll uralter Perlen u.a. aus der Swahili-Periode, kaufte jede Menge alter Münzen sowie zuletzt noch einen alten Säbel an der sicherlich noch aus der Sklavenzeit stammt.

Es entstanden viele einzigartige Aufnahmen - so etwa vom Hafen Tanga, der alten Boma in Pangani, dem früheren Gouverneurssitz Wilhelmstal sowie auch eine Menge Portraits Einheimischer.

Auf der früheren Usambarabahn / Nordbahn - diese Strecke wird auf Weisung des Präsidenten gerade aus dem jahrzehntelangen Dornröschenschlaf gerissen und saniert - fuhr ich ebenfalls: mit einem Bauzug!

Nach 2 Monaten Abenteuer ging es dann zurück zum Flughafen Daressalaam zwecks Heimreise, nicht ahnend daß mir das eigentliche Abenteuer noch bevor stand...

Werde nun so nach und nach die tausenden Bilder bearbeiten und teils hier einstellen. Da wieder einmal mehrere komplette Dokumentationen entstanden dauert alleine die Bildbearbeitung mehrere Wochen, dabei stecke ich bereits in den Vorbereitungen für die nächste Tour.

∗ ∗ ∗

Dar es Salaam: In Dar angekommen dauern die Einreiseformalitäten diesmal bloß eine dreiviertel Stunde. Noch am Flughafen tausche ich Geld - für 1400 Euro gibt es etwas über 3,3 Millionen tanzanische Shillinge, drei dicke Bündel 10.000er Scheine die auch irgendwie verstaut sein wollen. Nachdem das Fahrrad montiert radle ich gemütlich in die Innenstadt. Das Hotel ist 50% teurer als letztes Jahr.

Das frühere kaiserliche Kulturgebäude, heute Sitz der tanzanischen WHO, fotografierte ich bereits letztes Jahr. Der Wachoffizier erinnert sich an mich. Diesmal gelingen einige Innen-Aufnahmen.  

               

Der Dienstwagen des Leiters der Niederlassung, privat fährt er natürlich auch einen großen Mercedes. Angesichts der zumeist desolaten hygienischen und gesundheitlichen Zustände im Lande drängt sich der Gedanke auf ob vielleicht das Geld anderswo zweckmäßer angelegt wäre. Zumal die Straßen Tanzanias gar nicht für solche Autos ausgelegt sind.

Das frühere kaiserliche Postamt, stark umgebaut, ist auch heute noch Postgebäude. Im Eingangsbereich befindet sich ein Kriegerdenkmal der Eroberer von Deutsch Ostafrika. Natürlich nahm ich alle Namen der hier erwähnten britischen Soldaten auf:

             

         

Feuerwache in der Morogoro road:

Die schönen, alten Feuerwehr-Oldtimer aus Hamburg und Linz sind teils arg herunter geritten. Sicherlich macht das Schenken von gut gepflegter und erhaltener, in Europa nicht mehr aktueller Feuerwehr-Fahrzeuge erstmal Sinn, doch ohne entsprechende Wartung und Pflege sind diese KFZ dann schnell nicht mehr einsatzbereit und somit: Schrott.

                                             

altes Gebäude in der Gartenstraße:

     

früheres kaiserliches Gouvernement am ehemaligen Wilhelm-Ufer:

Dieses Gebäude-Ensemble dokumentierte ich bereits im letzten Jahr ausgiebig. Diesmal gelangen mit einige weitere Aufnahmen rückseitiger Ansichten. Trotz umfangreicher, leider typischer Umbauten - um zusätzliche Räume zu gewinnen verschloss man die einst offenen Veranden - erkennt man noch mit einiger Phantasie die ursprüngliche Architektur.

         

                     

Am Ufer, unterhalb dieses Gebäude-Komplexes, befindet sich noch der Rest einer Treppen-Anlage vom damaligen Landungssteg, von diesem selbst ist nichts mehr zu sehen:

         

früherer Gouverneurs-Palast, heute als "Weißes Haus" Amtssitz des Präsidenten:

Leider hermetisch abgeriegelt ist allerhöchstens mal von Ferne ein ganz kurzer Blick auf das Gebäude möglich. Also müssen wieder nur historische Aufnahmen herhalten.

Bagamoyo:

Historische Ansichten:

                 

2016 mit vom Hochwassser zerstörter Kamera entstanden nur unscharfe Bilder mit dem ebenfalls defekten Telefon, Grund jetzt alle Aufnahmen noch einmal zu machen.

Bei Neubau der Straße aufgegebene Tankstelle:

   

       

Altes Fort:

Als ursprünglich 2stöckiger Wohnturm wahrscheinlich von Abdallah Selemani Marhabi erbauen lassen ist es das älteste noch existierende Steingebäude Bagamoyos. Um 1856 wurde durch den Sultan Majid von Sansibar ein Fort darum errichtet, dieses gelangte 1890 in den Besitz des Händlers Sewa Haji. 1894 übernahm den Gebäudekomplex die deutsche Verwaltung und nutzte ihn als Garnison der Schutztruppe. Nach dem Ersten Weltkrieg von den Engländern in ein Gefängnis umgewandelt wurde er nach der Unabhängigkeit Polizeistation und Internat.

Ein junger Mann arbeitet hier als Führer, er erinnert sich sogar daß ich vor zwei Jahren bereits hier war. Er berichtet daß vor einigen Jahren eine scharfe britische Granate gefunden wurde. Diese ist natürlich ordnungsgemäß abgegeben worden.

Nachdem ich wie schon 2016 für die Besichtigung 20.000 Tanzania Shilling zahlte nahm ich alle zugänglichen Räume erneut fotografisch auf. Nicht zugänglich war im Haupthaus das Büro in der 1. Etage sowie die Räume im Obergeschoss des Ostturmes.

       

                                                                                                                                                                               

Außenbereich:

                     

Ruine gegenüber dem Fort:

             

Liku-Haus, auch Ratu- oder Datoo-Haus genannt:

Dieses Gebäude ließ ein Händler errichten, später wurde es an die deutsche Kolonialverwaltung verkauft. Diese nutzte das Gebäude für Büros und Dienstwohnungen. Zur Zeit Hermann von Wissmanns befand sich hier auch eine Offizierskantine.

Der deutsche Afrikaforscher Emin Pascha fiel während einer feucht-fröhlichen Feier bei der auch der britische Entdecker Richard Burton zugegen war versehentlich rückwärts aus einem Fenster der oberen Etage. Nachdem sein vom Sturz erfolgter Schädelbruch ausgeheilt war nahm er an einer Expedition teil, wurde später aufgrund seines Engagements gegen die Sklaverei von Sklavenjägern im Landesinneren ermordet.

1857 verbrachten hier die britischen Entdecker Burton und John Speke eine Nacht bevor sie zum Tanganjika-See und dem Viktoria-See aufbrachen.

Heute ist dieses eindrucksvolle Gebäude nur noch Ruine und nur noch eine Frage der Zeit bis es zusammen fällt. Viele Zimmer sind voll mit alten, vermodernden Akten und anderem Gerümpel. Ein paar Jugendliche schleppen alte Fernmeldetechnik davon.

                                                                                                       
Von der Schublade einer verrotteten Kommode baue ich Messinggriff und Schloss aus, nach einigem Suchen finde ich auch noch ein zweites Schubfach. Erst einige Wochen später, im früheren deutschen Verwaltungssitz im ehemaligen Wilhelmstal, werde ich erkennen daß dieses Möbelstück einst zur Ausstattung deutscher kolonialer Verwaltungseinrichtungen gehörte!

Boma - kaiserliches Bezirksamt:

Errichtet zwischen 1895 und 1897 war das Gebäude bis zum Ersten Weltkrieg Sitz der Bezirksverwaltung. Was sicher viele nicht wissen: Nach Pangani war Bagamoyo die zweite Landeshauptstadt der Kolonie Deutsch Ostafrika, da ebenfalls zu wenig entwicklungsfähig wählte man später Daressalaam zur Hauptstadt.

Ich nahm sämtliche Räume erneut fotografisch auf. Anhand des abgebildeten Grundrisses (leider nur Erdgeschoss) lassen sich die Räume ihren ursprünglichen Funktionen zuordnen.

 

   

                                                                                                                                                                       

ehemaliger Brunnen an der Westseite der Boma.

   

Dieses Gebäude in Nähe des alten Forts war meiner Ansicht nach eine Kaserne. Der Gebäudekomplex wird heute zu Wohnzwecken genutzt.

                           

Früheres kaiserliches Zollamt, auch heute noch Zollstation:

Ursprünglich befand sich hier am Dhau-Hafen der Verladeplatz für Sklaven zur Verschiffung nach Sansibar zum Sklavenmarkt. In den Jahren 1894/1895 errichtete man anstelle eines alten, arabischen Zollhauses das deutsche Zollamt. An seinen Seiten befand sich je ein Turm, möglich daß dort Leuchtfeuer installiert waren.

Heute sind außer einem Gebäuderest im Nordteil nur noch Ruinen vorhanden. Haben die Briten bei der Beschießung Bagamoyos im Ersten Weltkrieg das Zollamt, zerstört? Ebenso die katholische Missionskirche, diese wurde jedoch wieder aufgebaut.

 

   

                                                                                                                     

weitere historische Bauten:

Wohnhaus an der Ecke India street / Custom road:

           

Häuser in der Inder-Straße (früher: Kaiserstraße):

           

Ruine:

                   

Ehemalige deutsche Schule und Waisenhaus, errichtet 1895. Stifter war der indische Großkaufmann Sewa Haji:

Es gab Unterricht für europäische, indische und afrikanische Kinder. Heute ist hier die "Mwambao Primary School" untergebracht".
2006 erfolgte durch die deutsche Partnerschule "Marienschule Ahlen", dem "Freundeskreis Bagamoyo e.V." sowie mit Unterstützung der Bundesrepublik Deutschland eine Renovierung.

Gebäude an der Schule:

     

Arabisches Teehaus an der Inderstraße:

Das Gebäude ließ ein indischer Kaufmann errichten, unten befand sich ein Ladengeschäft, in der ersten Etage ein Hotel. In deutscher Zeit waren im Erdgeschoss Büros und im Obergeschoss ein Hospital für Offiziere untergebracht.

 

                                                         

weitere Ruinen Bagamoyos:

                                                   

Gelände des heutigen Krankenhaus-Komplexes an der Inderstraße. Genau an der Stelle an der die Satelliten-Schüssel steht soll es einen deutschen Soldaten-Friedhof von 1916 gegeben haben. Leider sind keinerlei Hinweise darauf mehr vorhanden.

               

Ruine ehemaliges indisches oder arabisches Handelshaus an der Inderstraße:

                     

Usagara-Haus - Haus der D.O.A.G. unweit des Zollhauses:

1999 errichtet wohnte hier der deutsche Kaufmann Schuller mit seiner Familie. Die nur wenige Tage alt gewordene Tochter Gretel ruht auf dem deutschen Friedhof Bagamoyo.

Vom Haus der Deutsch Ostafrikanischen Gesellschaft sind nur noch diese Fundamente übrig. Auf historischen Fotos sieht man dicht dabei ein Windrad, ich versuchte vergeblich dessen Fundamente zu finden.

     

Wissmann-Turm:

Dieses alte deutsche Wachhaus, auch als "Dunda Tower" oder "Block House" genannt, war einer von 5 solcher Wachtürme und sicherte während der deutschen Kolonialzeit den westlichen Zugang Bagamoyos.

Vor dem Turm das Grab des Mungo Nera (vielleicht eher Nyera oder Njera).

Hermann von Wissmann ließ diesen Turm im Jahre 1889 während des Bushiri-Aufstandes errichten.

   

Askari-Kaserne an der Markthalle:

Hier, an Moschee und Markthalle, früher befand sich hier auch der Sklavenmarkt, sollen die Askari-Unterkünfte gestanden haben. Die Gebäude gegenüber der Markthalle, später umgebaut, hätten dazu gehört, wären später Handelshaus gewesen. Heute ist anstelle der Askari-Unterkünfte nur ein von einer bröckligen Mauer eingefasstes Grundstück.

     

Fischerboote vor dem Zollamt:

   

Ruine in der Nähe des deutschen Friedhofs:

Hier mache ich in 20 cm Tiefe den ersten Bodenfund dieser Tour - eine gut erhaltene Patronenhülse Gewehr Modell M71. Bodenstempel: D 3 84 ∗ (hergestellt März 1884).

     

Arabische Gräber in der Nähe des deutschen Friedhofs:

 

Deutscher Friedhof:

Eine Tafel die 2016 noch am Eingang stand ist mittlerweile entfernt. Ich gebe hier noch einmal den Text wieder.

"Auf diesem Friedhof ruhen junge Deutsche, die zwischen 1889 und 1894 um Bagamoyo ihr Leben verloren. Als Ausdruck der gewachsenen tansanisch-deutschen Freundschaft wurde diese Stätte mit Unterstützung der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland durch Herrn Alfred-K. Zuber von der in der tansanisch-deutschen Zusammenarbeit tätigen deutschen Eisenbahn Colsulting GmbH 1989/90 renoviert."

Der Text mag zwar "politisch korrekt" sein, doch gibt er keinerlei Auskunft wie die meisten Deutschen hier seinerzeit ihr Leben verloren. Die Angehörigen der Schutztruppe werden kaum eines natürlichen Todes gestorben sein. Man verschweigt einen Zusammenhang mit dem sog. Araberaufstand, ebenso ob diese Menschen im Kampf gefallen sind (immerhin geben hierüber zwei der Grabinschriften Auskunft) - oder hinterrücks ermordet! Deutsche als Opfer? Das kann und darf nicht sein, schon gar nicht während des heute zu einem Befreiungskampf hochstilisierten Aufstandes den man auch gleich noch zu einem Volksaufstand umdeutet.
Heute wird der damalige Umfang sowie die Bedeutung des Sklavenhandels stark heruntergespielt, die ständigen Überfälle von räuberischen Stämmen auf Karawanen, Handelsniederlassungen, Dörfer und Missionen ganz verschwiegen. Mit der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung des Landes, Eindämmung des Sklavenhandels sowie Polizei- und Militäraktionen gegen die Räuberbanden sahen sich Sklavenhändler, räuberische Stammesführer und andere lokale Machthaber um ihren Einfluß und vor allem um ihre Einkünfte gebracht - deshalb zettelten sie diesen Aufstand an.

                                                     

Denkmal für beim Araber-Aufstand verurteilte und gehängte Anhänger Buschiris. 2016 war noch die Reproduktion einer historischen Postkarte angebracht die das illustrieren sollte, jedoch keinerlei Auskünfte über die wirklichen Hintergründe des Geschehens gab. Dieses Bild fehlt nun.

Ein weiteres Beispiel für die Umdeutung damaliger Geschehnisse. Die Aufständischen werden nun sogar bereits als Revolutionäre bezeichnet! Kein Wort über ihre Taten und die Gründe ihrer Verurteilung. Statt dessen wird wieder einmal der Eindruck erweckt daß Deutsche überall wahl- und grundlos Menschen massakrierten!

   

Katholische Mission:

   

Friedhof der Missionare:

Man beachte einmal wie viele der Missionare in jungen Jahren im Dienst an der Sache starben. Sowas fällt heute keinem mehr ein - einfacher ist es für heutige "Helden" solche und andere Idealisten zu diskreditieren...

             

Mutter-Haus, heute Museum:

           

                   

Tresor der Wiener Firma Becher & Hildesheim:

     

Ruine des Väter-Hauses:

                           

                                                                                                                                                 

Katholische Missionskirche:

         

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