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Burkhart Rüchel

NAMIBIA
2012

arche-foto.com

3 Wochen im Oktober

Seite I

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07.10.2012 Sonntag
Unsere Reise beginnt in Erkner bei Berlin, meine Schwester Mechthild und Neffe Richard bringen uns mit dem Auto zum Flughafen Berlin-Tegel.

   

Gegen 20.30 Uhr starten wir - mein Schwager Jens-Uwe und ich - in Berlin-Tegel zu unserem Nachtflug nonstop nach Windhoek, Namibia.
Es ist nicht nur meine erste Namibia-Reise sondern auch mein erster Flug. Bisher hielt ich das nie für nötig auf derlei Weise abzuheben, konnte mich sogar beruflich darum herumdrücken und blieb lieber auf dem Boden der Tatsachen. Jedenfalls ist das Fliegen an sich eher nüchtern und eine kleine Enttäuschung, bis auf den Start mit der enormen Beschleunigung und dem darauffolgenden Abheben vergleiche ich das Ganze irgendwie mit Bahnfahren, auch die Enge und die Innenausstattung erinnern sehr daran, das Rütteln, Vibrieren und Schaukeln ebenso. Draußen ist es längst dunkel, durch die kleinen Fenster wäre auch nicht viel zu erkennen. Das Rauschen der Turbinen erinnert mehr an eine laute Klimaanlage oder Staubsauger, klingt so gar nicht nach Motoren.
Zu zweit haben wir eine 4er Sitzreihe und somit einigermaßen Platz, nur nach vorne hin ist es sehr eng. Jeder Fluggast hat vor sich in der Lehne des Vordermannes einen Bildschirm wo man nicht nur Filme sehen kann sondern auch die Flugdaten: wir fliegen in etwa 10-12.000 Meter Höhe bei 800-900 Kilometer pro Stunde teils mit Rückenwind genau in Nord-Süd-Richtung, draußen sind zwischen -50 und -60 Grad Celsius, die Entfernung zum Ziel ist etwa 10.000 km, die Flugzeit etwa 10 Stunden. Es gibt zwei Mahlzeiten und zwei große Whiskys. Der Flug geht über Deutschland, Italien, Sizilien, das Mittelmeer, Lybien, die Sahara, Niger, Nigeria, Kamerun, den Kongo, Angola und Namibia.

 

08.10.2012 Montag
Es gibt einen ganz phantastischen Sonnenaufgang mit völlig ungewohntem Farbenspiel. Etwa 6.15 Uhr landen wir planmäßig auf dem "Hosea Kutako International Airport" bei Windhoek, Namibia. Getankt hatten wir in Berlin 70 Tonnen Treibstoff, verbrauchten jedoch nur 50 Tonnen. Das Flugfeld ist recht klein, es stehen nur insgesamt 5-6 mittlere Passagier-Düsenflugzeuge auf dem ganzen Flugplatz. Das Auschecken dauert ziemlich lange, das Abstempeln der Pässe ist dann schnell erledigt, es gibt einen großen Eingangsbereich mit vielen Geschäften und einen großen Parkplatz.

 

Wir werden von Richard, einem Angestellten der "Savanna Autovermietung" zusammen mit drei anderen Reisenden abgeholt (er hält ein Schild mit den Namen hoch), es geht im Auto die 30 Kilometer nach Windhoek zum Autoverleiher wo unser Gefährt für die nächsten beiden Wochen schon bereit steht. Es ist ein ganz neuer Toyota Hilux 4x4 pickup mit geschlossenem Aluminium-Aufbau auf den der Vermieter ganz stolz ist, sind wir doch die ersten die diese Camping-Variante zum Testen erhalten. Der Wagen hat eine Doppelkabine, die Rücksitze sind ausgebaut und bieten so zusätzlichen Stauraum z.B. für eine große Kühlbox. Wir werden in die ganze Sache eingewiesen und kommen aus dem Staunen gar nicht heraus, das Zelt ist mit ganz wenig Handgriffen (zwei Schellen entriegeln, einfach Hochklappen und zwei Metallstangen einstecken) sofort aufgebaut! Auch die vielen Stauräume für Gepäck, Lebensmittel, Kochzeug (2 kleine Gasflaschen an Bord), Geschirr und alles was ein kleiner mobiler Haushalt benötigt sind zweckmäßig. So sind wir schnell reisefertig und Jens-Uwe fährt uns im Linksverkehr zu einem Einkaufszentrum wo wir uns mit Lebensmitteln eindecken. Im "Super-Spar" gibt es vor allem südafrikanische und deutsche Produkte, nur ganz wenig aus Namibia. Auch Geld tauschen wir, besorgen uns eine namibische Prepaid-Simkarte von MTC und eine Druckerpatrone für Ralf.
In Windhoek leben viele Weiße, die schwarzafrikanischen Männer sieht man oft im "Blaumann", sowas ist im Arbeitsleben Deutschlands ganz "aus der Mode" gekommen. Ansonsten sehe ich von der Hauptstadt Namibias nicht viel. An einer Tankstelle kaufen wir Brennholz zum Grillen.

               

Auf der C28 und der C32 geht es über die typischen Sand- und Schotterpisten etwa 250 Kilometer zum "Tsaobis Nature Park", von dem vielen ungewohnten Geschaukel ist mit bisschen kodderig.

       

Am späten Nachmittag kommen wir bei Ralf, dem Manager des Camps, und seiner Wirtschafterin Monika an. Wir parken den Wagen im "Rast Camp" direkt am Fluß Swakop der natürlich gerade ohne Wasser ist. Am Abend gibt es bei Ralf und Monika namibisches Bier (Tafel Lager und Windhoek Lager) und Wild-Steaks vom Grill, wir sitzen lange zusammen und erzählen. Mit dabei sind mehrere völlig entspannte Hunde.

       

09.10.2012 Dienstag
Nach einem guten Frühstück - unsere Camping-Ausrüstung enthält natürlich auch einen Klapptisch und 2 Klappstühle - geht es zur Rezeption, wir bekommen noch einen Kaffee, besehen uns das Camp.

                   

Anschließend fährt Ralf mit uns in seinem Jeep ins Gelände. Mir wird bald langweilig im Auto und so steige ich aus, laufe lieber nebenher, es geht in der knallen Sonne über Stock und Stein, ausgetrocknete Riviere entlang. Mein breitkrempiger Hut ist ein guter Schattenspender, es ist sehr heiß aber erträglich. Trotzdem arbeitet der Kreislauf ungewohnt auf Hochtouren, das Herz hämmert schon mal und es wird mir gelegentlich schwarz vor Augen bei der Kletterei. Zwei Schädel von Klippschliefern, murmeltiergroße Nager die entwicklungsgeschichtlich mit Elefanten verwandt sein sollen finde ich, später auch ein großes Zebra-Skelett (dessen Schädel jetzt die Rezeption ziert).

                                             

Klippschliefer, Klippdachs (Procavia capensis), Schädel:

   

An der Ruine einer alten Zollstation trenne ich mich von Ralf und Jens-Uwe - sie fahren zurück während ich hier etwas detektieren und dann am Swakop zurück laufen werde.
Obwohl ich das Gelände um die Zollstation eine ganze Weile absuche finde ich außer ein paar rostigen Nägeln und altem, rostigen Blech nichts erwähnenswertes. Dafür gibt es eine kleine Population Wildpferde, möglicherweise Nachkommen von seinerzeit der Schutztruppe von Deutsch-Südwestafrika entlaufenen Reit- und Transportpferden. Am anderen Ufer ist eine interessante Felsformation zu der ich hinauf klettere, hier auch die einzigen Filmaufnahmen der Tour mache. Hier oben weht - wie meist im ganzen Lande - ein kräftiger Wind aus Südwest, daher das Land auch seinen Namen hatte. Beim Abstieg zum Fluß werde ich von einer Horde Affen attackiert die bedrohlich bellend näher kommen, mich versuchen einzukreisen. Ich sehe zu daß ich hier weg komme was in den Felsen nicht einfach ist, unten angekommen dauert es eine ganze Weile bis ich aus dem dornigen Ufergestrüpp heraus ins offene Gelände finde. Das Gebell der wilden Affen verfolgt mich noch eine ganze Weile.
Einige Kilometer später finde ich eine Kranken-Statistik die Forscher über diese Population am Swakop angelegt, bin erstaunt was Affen alles kriegen können!

                       

Als es dämmert bin ich wieder im Tsaobis Leopard Nature Park, Schwager Jens-Uwe macht gerade wieder Fotos im Fluss-Tal. Nach einem reichlichen Abendbrot - wir grillen Boerewurst - gehen wir zu Ralf und Monika, es sind noch zwei Reisende aus Dresden da und es wird wieder ein langer, gemütlicher Abend, rauche mit Ralf gute Cigarren, dazu gibt es einen erstklassigen Bushmills-Whisky.

10.10.2012 Mittwoch
Heute vormittag heißt es Abschied nehmen, zur Erinnerung machen wir noch ein Gruppen-Foto und los gehts. Unser Ziel ist nun die Farm "Wüstenquell". Heute pilotiere ich den Toyota und habe als Neuling im Linksverkehr zu lernen daß dort wo ich blinken will der Scheibenwischer angeht, und wenn ich schalten will ich versehentlich gegen die Türverkleidung greife! Ist also alles andersrum als mans gewohnt, mit der Zeit geht es und ich bin auch nach dem Abbiegen auf der richtigen Straßenseite. Es geht wieder ausschließlich über Schotterpisten (um Windhoek gibt es gute Strecken Asphalt, sonst nur wenige Hauptstraßenabschnitte).

                                   

An einem alten Wehrhaus mit Schießscharten detektiere ich kurz ohne etwas zu finden, dicht dabei sind zwei Gräber der Schutztruppler Unteroffizier Robert Kirchgatter und Reiter Ferdinand Zarp. Es kommt ein Jeep mit 3 reiferen Frauen mit denen sich Jens-Uwe unterhält, sie berichten daß an der Blutkoppe ein deutsches Paar mit Motor-Schaden seit sieben Stunden festsitze. Kurz entschlossen ändern wir unsere Planung (sind schon wieder knapp mit der Zeit) und fahren los uns die Sache einmal anzusehen.

       

An der Blutkoppe steht ein echter Oldtimer, dicht dabei ganz entspannt ein Mann und eine Frau. Als wir aussteigen meint sie zu ihm: "Die sehen nicht aus als ob sie uns helfen könnten." Wir treten trotzdem näher und ich erfahre daß das ein seltener Land-Rover mit einer Art Bus-Aufbau ist, nur etwa 2 Jahre lang gebaut. Hinten steht "RODRIGO" drauf, ich lasse mir die Symptome schildern und kurz einen Startversuch machen. Der Anlasser dreht doch der Motor "spuckt und hustet" nur mal kurz, springt jedoch nicht an. Da die Zündung funktioniert kann es nur am Vergaser liegen (aus dem munter Benzin ausläuft). Es gibt einen Baumarkt-Werkzeugkoffer mit metrischen DIN-Schlüsselweiten - und das für ein englisches Fahrzeug deren Schrauben und Muttern für Schlüsselweiten in Zoll/inch ausgelegt sind! "Sie sind ja wie die Friseure unterwegs!" - rutscht mir wohl heraus.

Wir krempeln die Ärmel hoch, Fahrer- und Beifahresitz lassen sich einfach herausheben (immerhin hat der Wagen Sicherheitsgurte), der Motor liegt etwas zurückgesetzt dahinter. Nachdem der Luftfilter usw. demontiert sehe ich was passiert ist - die Haupt-Düse hat sich losgerüttelt und liegt lose im Ansaugkanal, ist schnell wieder eingeschraubt. Da der ganze Vergaser jedoch insgesamt recht wackelig auf seinem Flansch sitzt baue ich ihn mit tatkräftiger Unterstützung von Jens-Uwe ganz aus, die Fußdichtung besteht aus einem sicher nicht serienmäßigen, undefinierbaren Kunststoff (eine Art Gummi, vom Benzin schon ziemlich aufgelöst) und war sicherlich einmal als Notbehelf eingebaut worden: "Nichts hält länger als ein Provisorium". Ich frage ob es denn an Bord irgendein Stück Leder gibt, beispielsweise aus einem alten Schuh oder von einem Gürtel, nach einigem Überlegen findet sich eine alte Federtasche (da ist ihre Kosmetik drin). Schneide zwei Dichtungen daraus, lasse sie in etwas Motoröl aufquellen und baue sie als Fußdichtung ein. Nun sitzt der Vergaser fest und dicht auf dem Ansaugflansch. Ich lasse starten und siehe da: Motor läuft, gar nicht mal schlecht! Bald ist auch der Rest wieder montiert, das Ganze dauerte eine knappe halbe Stunde, wir kommen endlich auch zu einem Schwätzchen und erfahren daß Wolf diesen Land-Rover schon 19 Jahre hat, diesmal ist er mit seiner Schwester aus Südafrika auf Pad. Wir machen noch ein Gruppen-Foto, bekommen jeder ein Marzipan-Ei geschenkt, steigen in unseren Hilux und dann verlassen wir die Beiden.

   

Am "Langen Heinrich", einer Uran-Mine, geht es zügig vorbei, an der "Welwitschia-Road" stehen sehr viele dieser eigenwilligen, teilweise sehr großen und alten Pflanzen. Als es dämmert überqueren wir die Grenze von Farm "Wüstenquell", nun sind es nur noch 12 Kilometer bis zum Farmhaus und es gibt hinter uns einen herrlichen Sonnenuntergang inclusive unsere Staubfahne. Es ist fast dunkel als wir uns bei den Farmern anmelden, bekommen einen Geländeplan und fahren zum Camp "Aussicht" das wir auch finden (den Abend vorher waren Wolf und seine Schwester hier). Jens-Uwe köchelt eine deftige Linsensuppe, wir genießen den fremden Sternenhimmel - die Milchstraße und das Zodiakallicht sind beeindruckend. Jens-Uwe gibt mir Laien eine kleine Einführung in den südlichen Sternenhimmel.

         

Zum Reisebericht meines Schwagers Jens-Uwe Köhler gelangt man hier; zu seinen tollen Landschafts- und Astro-Fotos auf seiner homepage hier.

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