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Burkhart Rüchel

NAMIBIA
2014

arche-foto.com

mit dem Fahrrad durch die Namib...

Seite I

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12.03.2014 Donnerstag
Mit Mein Fernbus bin ich von Berlin aus nach knapp 7,5 Stunden Fahrt am internationalen Flughafen Frankfurt/Main. Habe noch einige Stunden Aufenthalt bevor 20.45 Uhr mein Flieger nach Johannesburg/Südafrika geht. So verbringe ich die Zeit unter anderem mit Lesen, lerne weiter Afrikaans. Was auffällt: viele Leute (mit offensichtlichem Migrationshintergrund) durchwühlen hier die Abfalleimer nach Pfandflaschen. Sitzen mit ihren Rollies zwischen den wartenden Fluggästen und sobald einer sein Leergut entsorgt stürzen die sich drauf. Drehen dauernd ihre Runde von einem Abfallbehälter zum nächsten ob nicht inzwischen wieder eine neue Flasche eingeworfen wurde.

     
     

13.03.2014 Freitag
Heute vormittag gehts von Johannesburg in gut 2 Stunden nach Windhoek wo ich am Mittag heil lande. Das übliche, lange Anstehen an den Einreiseschaltern. Bei der Gepäckausgabe erfahre ich daß mein Fahrrad nicht mitgekommen ist! Immerhin teilt man mir im Office mit daß das Paket mit einem der nächsten Flieger am Nachmittag ankommen soll. Das wirft natürlich meine Pläne erstmal über den Haufen, brauche dann nicht mehr nach Windhoek weiter zu fahren da dort Banken und Supermärkte längst geschlossen sind. Also laufe ich zur Etango-Ranch - stelle fest daß meine beiden Fahrrad-Packtaschen ein ansehnliches Gewicht haben - um dort für eine Nacht einzuchecken.
Das Fahrrad-Paket soll etwa 16.30 Uhr ankommen, es bleibt also einige Zeit mir die Ranch etwas anzusehen. Später laufe ich die ca. 2 km zurück zum Flughafen. Unterwegs bekomme ich von dort einen Anruf daß die Sendung auch wirklich eingetroffen ist.

       

Als ich mein Paket endlich ausgehändigt bekomme meint ein Angestellter noch ich solle 10 Dollar "für den Service" geben was ich aber entschieden ablehne, mache dem klar daß ich durch die Verzögerung einen Urlaubstag verliere und zusätzliche, nicht eingeplante Übernachtungskosten habe. Die Angestellten hier stehen in Lohn und Brot - lieber gebe ich irgendwo auf dem Lande den Leuten etwas Geld für kleine Dienstleistungen. Da ich dummerweise meinen Fahrradschlüssel auf Etango vergaß kann ich das Rad leider nicht gleich am Flughafen montieren. Schleppe das Paket also zur Ranch und schraube dort fix alles zusammen.

     

14.03.2014 Freitag
Nach dem Frühstück fahre ich kurz nach 8.oo Uhr gen Windhoek. Von dort aus soll es nach Okahandja zum Swakop gehen. Den will ich versuchen "stromabwärts" nach Swakopmund zu fahren. Abgekommen ist das Rivier bisher noch nicht. Eine meiner nächsten Stationen ist Otjimbingwe, die alte Landeshauptstadt (bis 1890).
Die etwa 45 km nach Windhoek sind recht schnell zurückgelegt, auch wenn ich anfangs versuche auf Feldwegen neben der Bahnlinie zu fahren. Der Verkehr auf der B6 scheint zunächst nicht schlimmer als auf einer brandenburgischen Landstraße. Sehe die ersten Affen und Wildschweine. Überquere die Riviere Bismarck, Auasklipp, Seeis, Bellerode (bei Farm Finkenstein) und Michaels in denen sogar ein paar Pfützen Wasser stehen. Es ist recht bewölkt und ein laues Lüftchen weht, irgendwo regnet es, alles ist grün in der "Regenzeit".

     

Am Stadtrand Windhoeks neue Wohnsiedlungen wie etwa der Michaelpark. In Windhoek tausche ich bei der Nedbank 800 Euros in NamDollar (aktueller Kurs heute 1 : 14,614) und mir wird ein ansehnliches Bündel Banknoten ausgehändigt! Nachdem ich ein paar Lebensmittel eingekauft und an einer Tankstelle eine (schlechte) Straßenkarte erworben habe treffe ich vor einem Restaurant auf zwei junge Deutsche die in Namibia arbeiten, wir schwatzen eine Weile zusammen und ich bekomme einige Tipps. So erfahre ich vom Jörg Melzheimer unter anderem daß aufgrund der Landflucht hier allein der Bevölkerungszuwachs Windhoeks jährlich 10 Prozent beträgt! Das ist eine Verdoppelung der Einwohnerzahl alle sieben Jahre. Die Menschen strömen in die Städte und suchen dort ihr Glück was sie über diese elenden Fernseh-Seifenopern oder bunte Werbe-Bilder eingeblasen bekommen. Diese blöden Flimmerkisten laufen beinahe überall wo es Stromanschluß gibt rund um die Uhr und manipulieren die Träume und Sehnsüchte der Menschen. Doch in den Städten vergrößern sie auch nur als ungelernte Arbeiter für die es keinen Bedarf gibt die Heere der Arbeitslosen. Die Elendsviertel wachsen, Träume zerplatzen wie Seifenblasen und viele gehen im Elend unter, mit allen Folgen von Entwurzelung, Krankheit, Alkohol, Bettelei, Kriminalität und Prostitution...

Auf dem Lande ist natürlich die Arbeit hart und auch hier für unqualifizierte Arbeiter die Löhne niedrig, dazu kommt daß mit zunehmendem Mechanisierungsgrad viele Jobs wegfallen. Was sollen die Menschen denn machen? Den ganzen Tag Däumchen drehen? Wovon sollen sie leben? Das ist allerdings ein weltweites Problem. Kein Wunder daß sich viele nach Europa aufmachen - wird ihnen doch andauernd vorgegaukelt daß dort das Land ist wo Milch und Honig fließt...
Auch in Namibia gibt es extreme soziale Unterschiede und niemand braucht sich über die stark bewachten und bewehrten besseren Grundstücke oder Wohnviertel mit Stacheldraht, Elektro-Zäunen usw. zu wundern.

© Burkhart Rüchel© Burkhart RüchelIn der Werkstatt des gut ausgestatteten Radladens Cycletec in der Sam-Nujoma-Straße lasse ich mir eine neue 7-Gang-Kassette aufziehen, außerdem eine kleine Acht aus dem Hinterrad richten. Das geht leider ruck-zuck und somit habe ich wenige Tage später dann eine so fette Acht drin (eine Speiche gerissen) daß ich die hintere Bremse außer Betrieb setzen muß...

Besuche die alte Feste und das dort befindliche, höchst bescheidene Museum. Das Reiterdenkmal haben sie ja nun vom Sockel gestoßen und in den Hof verbannt, vor der Feste ist gerade eine Großbaustelle für ein neues, dem Zeitgeist entsprechendes Denkmal. Fotografieren darf ich die Baustelle nicht, das Monument soll jedoch in den nächsten Tagen eingeweiht werden. Soviel Zeit zu warten habe ich allerdings nicht...

Zum Denkmal und dem daneben befindlichen Unabhängigkeitsmuseum schreibt später die Allgemeine Zeitung (AZ) sehr treffend: Patriotische Reliefs prangen am neuen Museum

Auch die Museums-Kanonen die man auf dem Nebengelände einfach abgestellt hat verwehrt man mir zu besichtigen - Betreten verboten! Na, mir reichts schon wieder und ich schüttle den Staub Windhoeks von den Füßen...

                             

© Burkhart Rüchel© Burkhart RüchelDurch den nördlichen Vorort Katutura - die Gegend um das Sam-Nujoma-Stadion die man als Tourist nach Dunkelwerden besser meiden sollte - fahre ich aus Windhoek heraus. Fliegende Händler laufen zwischen haltenden Autos herum und bieten Waren an. Ein vielleicht zehnjähriges Mädchen ruft mir noch mit ernstem Gesicht hinterher: "Hope you will fall"!

Die D1491 (links von der B1) ist bis Brackwater eine gute Asphaltstraße, ab dort dann eine Gravelroad. Die festgewalzte Schotter-/Sandpiste fährt sich einigermaßen, mein Fahrrad hat wenigstens vorn 75 mm Federweg (Marzocchi Bomber Z2). Gelegentlich kommt mal ein Auto vorbei und ich schlucke den aufgewirbelten Staub.

Leider führt die D1491 dann doch auf die B1 und es bleibt mir nichts weiter übrig als dort weiter nach Okahandja, der eigentlichen Hauptstadt der Herero, zu fahren. Hier ist ein Polizeiposten und ich muß anhalten und Auskunft geben über mein Woher und Wohin usw. Später finde ich ein 5 NamDollar-Stück auf der Straße, überquere dann den Okapuka. Später liegt auch noch eine nagelneue 27er Nuß neben der Strecke die ich mitnehme - obwohl ich am Fahrrad solche Werkzeuggröße gar nicht habe. Das ist eher was für LKWs. Der Verkehr nimmt nun am Abend langsam zu und ich überlege bereits wo ich mein Zelt aufschlage. Bei einer kleinen Rast sitze ich eine Weile auf der Leitplanke, sehe nicht nur die abgebildete "Panzer-Grille" - mich fällt auch eine große afrikanische Zecke an. Die ersten Mücken stellen sich ein. Wie ich nach Kartenstudium feststellen muß gibt es keine Nebenstraßen und ich muß wohl oder übel auf der stark befahrenen B1 weiter fahren.
Etwa 25-30 km vor Okahandja baue ich dann im Veld links der Straße mein Zelt. Es hatte noch ein wenig geregnet - doch zum Duschen reichte es leider nicht. Am Horizont blitzt ein Gewitter. Bin heute wohl knapp 100 Kilometer geradelt, die Haut ist von der vielen, ungewohnten Sonne etwas gerötet.

© Burkhart Rüchel© Burkhart Rüchel15.03.2014 Samstag
Die Nacht hat es noch einiges geregnet und so dauert es bis das Zelt trocken ist zum Verpacken. So nahe der Straße zu schlafen war doch recht laut. Eine dichte Wolkendecke bedeckt den Himmel. Als ich das Rivier Teufelsbach überquere werde ich von einem Bus überholt der seinerseits von einem PKW überholt wird, bekomme so einen ersten Vorgeschmack auf hier übliches, gefährliches Fahrverhalten. Es geht über die Riviere Omakunde, Swarts und kurz vor Okahandja den Swakop.
Am Ortseingang Okahandja die Shell-Tankstelle wo ich versuche Flickzeug zu kaufen - gibts hier nicht, nehme stattdessen einen Kaffee und einen Liter Milch. Gegenüber der Holzschnitzer-Markt. Zwei Polizisten nehmen von andern dauernd irgendwas entgegen doch ist nicht zu erkennen was es ist. Ein kleines, dünnes Mädchen, barfuss in Hemdchen und Röckchen, durchstöbert die Abfallbehälter, ich mache "Kss-Kss" und schenke ihr den Rest meiner Milch - wie sie sich freut!
Okahandja nur am Stadtrand berührt geht es auf einer guten Asphaltstraße, gesäumt von grünem Buschland, die 25 Kilometer nach Groß Barmen. Dort will ich mir eigentlich die alte Missionsstation ansehen, doch als ich dort ankomme ist das eine Großbaustelle und der ganze Ort nicht zu betreten! Das ist nun in zwei Tagen bereits das dritte Mal daß ich von einem Schwarzafrikaner rigoros abgewiesen werde! Gut nur daß ich mich in Okahandja ausreichend mit Lebensmitteln und Wasser bevorratet hatte!
Ein Stück weiter ist an der D1972 eine große Pumpstation (sicher Wasser nach Okahandja), später an der Straße ein Tümpel wo ich die müden Füße etwas bade. Eine Menge bunter Libellen und kleine, orange Vögel (Papageien?) schwirren hier. Auch sehe ich nun daß Groß Barmen komplett mit einem Elektrozaun umgeben ist. Ob man hier ein geheimes Rüstungsprojekt betreibt?

Nun geht es eine Weile steil bergan und ich werde das erste Mal von unzähligen Fliegen belästigt. Einige Kilometer weiter lege ich mich in das flache, strömende Wasser des Swakop, spüle auch Hemd und Shirt bei der Gelegenheit. Hier erholen sich ein paar weiße Familien aus Okahandja. Da ich nach dem Baden meinen Hut vermisse gehe ich noch einmal das Stück zurück, bekomme vom Lukas (der nimmt nicht mal seine Sonnenbrille ab und ich weiß somit nicht mit wem ich es zu tun habe) ein Bier angeboten das ich nicht ablehne - mein erstes dieses Jahr! Als ich dann meinen Hut wiedergefunden habe und zu der lauten Gruppe zurückgehe tut einer der Männer so als ob er mit einer imaginären Pistole auf mich ziehlt und samt Rückstoß abdrückt. Eigenartige Typen - ich ziehe schnell weiter...

       

Bekomme nun langsam die Quittung dafür daß ich beim Einkauf in Windhoek nicht mehr an Sonnencreme gedacht habe - nun ist die Haut auf den Handrücken bereits stark gerötet (Tage später sehe ich dort und an den Waden aus wie ein Strahlenopfer). Meine Federgabel vorn schlägt stark und ich stelle Federn und Dämpfer neu ein.

           

© Burkhart RüchelVor mir blaut sich der Himmel zusammen und es sieht nach Regen aus. Nachdem ich ein Gate durchfuhr bin ich auf dem Farmgelände Klein Barmen. An der Gravelroad wachsen kleine, grüne Kürbisse oder Melonen, doch sind die extrem bitter und somit nicht genießbar. Eine ganze Weile ist schon Gegenwind, irgendwann beginnt es zu nieseln, wird zu Regen. So baue ich recht früh an der Straße mein Zelt auf.

16.03.2014 Sonntag
Komme erst recht spät los da alles erst trocknen muß bevor ich packen kann. Es ist auch heute stark bewölkt, nerven tun wieder die vielen, lästigen Fliegen die einen nicht nur permanent umschwirren sondern auch immer zielgenau in Augen, Nase oder am Mund landen - egal bei welchem Wind oder wie schnell man fährt!

Später wechsle ich auf die D1958 und fahre zum Swakop hinunter. Hier liegt der Westfalenhof der Familie Redecker, doch ist niemand zu Hause. Versuche im Swakop weiter zu fahren doch ist der Sand auch hier grundlos und selbst das Schieben in einer Fahrspur extrem kräftezehrend. Bis hierher ist kein Wasser gekommen und so wird es leider nichts mit einem kühlen Bade. Nach 2-300 Metern gebe ich auf und fahre doch lieber auf der Pad weiter. Das heißt ich schiebe erst einmal mühevoll die vielen Kilometer wieder aus dem Swakoptal heraus. Über meine verbrannten Handrücken binde ich nasse Waschlappen, das lindert wenigstens etwas. Im Schatten eines Baumes breite ich in den heißen Mittagstunden meine NVA-Plane aus (Ein-Strich-Kein-Strich) und halte im Schatten eines Baumes eine Stunde Siesta, zwischendurch gibt es einen richtigen Landregen.

     

Dann auf langer Sandpiste über das Gelände der Farm Nr. 24 Okumitundu, es geht meist bergan und ich muß oft weite Strecken schieben. Bei der Familie Pelzer deren Farmhaus ebenfalls direkt am Wege liegt rührt sich auch nichts, niemand reagiert auf Klopfen oder Rufen und ich fahre weiter. Bald geht es auf der D1967 weiter - bei der Kreuzung gibt es sogar einen großen See! Später bei einer Furt kommt mir das einzige Auto dieses Streckenabschnittes entgegen, pilotiert von einer weißen, jungen blonden Frau die jedoch keinen Blick verschwendet. Das ist ja wie zu Hause in Berlin! Der wünscht man fast die sollte mal eine Panne haben - da fahre ich dann aber auch munter dran vorbei...

© Burkhart RüchelViele Kilometer Sandpad sind noch zu bezwingen. Als ich mit der Dämmerung endlich in Otjimbingwe ankomme fahre ich gleich zum Friedenheim-Hostel. Dort erkennt mich Martha sofort wieder (sie hatte mich im Oktober 2012 eingeladen das Hostel zu besichtigen) und ich frage ob ich auf dem Gelände mit meinem Zelt campieren darf. Das ist heute etwas schwierig da gerade eine Versammlung der Verantwortlichen für das Hostel stattfindet. So muß ich eine Weile warten bis die Gruppe abgefahren ist, ich lerne die neue Matron Renate kennen und darf dann mein Zelt neben dem Küchenanbau aufstellen.

17.03.2014 Montag
Das Friedenheim Hostel wird nun für eine Woche quasi mein Basislager für alle weiteren Unternehmungen. Im Büro von Renate frage ich ob mein Brief mit den vielen Fotos von 2012 angekommen ist - der Umschlag mit den Bildern ist schnell gefunden und ich erinnere mich an die damals kurzen zweieinhalb Stunden. Von irgend etwas Unbekannten fühlte ich mich damals bedrängt, wollte mich einfangen, das ließ mich dann mehr oder weniger überstürzt flüchten. Erst später zu Hause in Berlin konnte ich anhand der Bilder erkennen was bzw. wer das damals gewesen ist. Und das war nun einer der Gründe warum ich unbedingt wieder hierher kommen mußte!

Die frühere Verwendung der heute nur noch als Ruinen erhaltenen Gebäude habe ich inzwischen ermitteln können. Der Verfall der Bauten ist vor allem der Nichtnutzung zuzuschreiben, und in deren Folge wurde noch verwertbares Material wie Dächer, Türen und Fenster sowie Balken entwendet. Schade drum - so verliert Otjimbingwe nach und nach die Zeugen seiner wechselvollen Geschichte...

1934 riß ein Hochwasser des abgehenden Swakop auch den Bereich hinter dem Pulverturm mit sich und vernichtete u.a. die Reste der neuen Feste. Auf alten Fotos kann man dieses beeindruckende Bauwerk noch erkennen, es war etwa so hoch wie der Pulverturm. Obenauf stehen Soldaten. Der damalige Neubau war erforderlich geworden da die Missionsstation und die alte Feste / das Kommissariat zu abgelegen lagen bei den dauernden Unruhen und Überfällen. Das flache Gebäude rechts im Vordergrund (vor der Wagenbauerei mit Windkraftmotor) ist die alte Post - das erste Postamt in Deutsch Südwestafrika!

Ruine alte Schule / Augustineum:

                 

Ehemaliges Handelshaus Eduard Hälbich:

                   

Windmotor Otjimbingwe:

Vor allem die ehemalige Wagenbauerei u. Handelshaus Eduard Hälbich sehe ich mir wieder an. Schrottdiebe zerstörten 2008 den als Nationaldenkmal deklarierten Windmotor. Der Name des Diebes ist bekannt: Josephat Frederick, ein Nama der hier lutherischer Pastor war und von dem Erlös einen Motor für sein Auto, einen Volkswagen Sedan, kaufte! Frederick wird den Diebstahl kaum alleine begangen haben, man ging höchst professionell vor: die Stahlträger wurden mittels autogenem Brennschneiden durchtrennt, den ganzen Turm ließ man dann einfach umkippen. Dabei bekam nicht nur Kopf und Getriebe der Anlage den letzten Rest sondern das Dach der Halle wurde ebenfalls beschädigt. Da läuft jetzt bei jedem Regen Wasser die Wände herunter. Nun existieren vom ersten Windmotor Afrikas (gebaut von der Hamburger Firma Fried. Filler) nur noch kümmerliche Reste!

Die Gemeinde versuchte seinerzeit lange vergeblich diesen unbeliebten Pastor los zu werden! In Otjimbingwe ist dieser Dieb noch heute in unliebsamer Erinnerung...

historische Aufnahmen vom Windmotor Otjimbingwe:

   

Seinerzeit gab es einen Artikel in der Allgemeinen Zeitung. Dieser mit einigem Aufwand durchgeführte Diebstahl ist von den Bewohnern Otjimbingwes weder unbemerkt noch verhindert worden! Man dachte sich wohl: ein Pfarrer - eine Autoritätsperson - das wird schon seine Richtigkeit haben...

Und so sieht das ganze heute aus:

                                             

       

Eine andere story erfahre ich diese Tage - über den Häuptling Joseph Frederik. Der verkaufte seinerzeit die ganze Siedlung Rehoboth für Branntwein und ein weißes Pferd! Heute wird das natürlich ganz anders dargestellt und man behauptet frech: man hätte ihn betrogen! Weit an den historischen Tatsachen vorbei aber offensichtlich gerade "politisch korrekt"! Aber die Wahrheit will ja heute keiner hören! © Burkhart Rüchel

ehemaliges theologisches Seminar Paulinum:

Das Paulinum ist 1962 errichtet worden. Hier erhielten unter anderem die späteren Bischöfe Zephania Kameeta (Politiker und Befreiungstheologe, leider ein Verfechter der umstrittenen Genozid-These) und Ernst //Gamxamub ihre Ausbildung. Als Dozenz war hier - neben vielen anderen - der Befreiungstheologe und spätere erste nichtdeutsche / nichtweiße Kirchenführer Johannes Lukas de Vries tätig. Jetzt ist die Einrichtung verwaist seit die Verwaltung vor einigen Jahren nach Windhoek umzog (siehe: Paulinum Windhoek). Zurück blieben die Bewohner der Anlage - ohne eine ordnende, leitende Hand. So verkommt alles nach und nach. Auch deren evangelisch-lutherische Kirche verfällt. Mich würde mal interessieren wer die Anlage einst finanziert hat. Schon verantwortungslos - mit großem Aufwand und Kosten etwas aufzubauen - und nach ein paar Jahren alles einfach aufzugeben...

                 

                   

Im Friedenheim Hostel viele bekannte Gesichter. Auch die Kinder erinnern sich an mich - obwohl ich im Oktober 2012 bloß ganz kurz zu Gast gewesen bin.

                                                                   

© Burkhart Rüchel© Burkhart RüchelMit der Erzieherin Elizabeth gehe ich fürs Friedenheim einige Lebensmittel einkaufen. Beim Laden wird sie von ein paar Leuten angespochen und ich verstehe nur daß sie von mir sagt ich wäre ihr "husband", darauf erwidere ich in Afrikaans: "Jy jok!"

Neben der Klinik der Friedhof mit teils Gräbern aus alter Zeit. Nicht nur zwei Mitglieder des Zeraua-"Königshauses" sondern auch viele deutsche Missionare, Einwanderer, Siedler, Landwirte, Händler und Gewerbetreibende fanden hier ihre letzte Ruhestätte: Gerdes, Winkler, Stumpp, Cloete, Redecker, Stritter, Eger, Corleis, Gertze, Weirauch, Bernsmann, Dannert, Kronewitter, Hanefeld, Kuhlmann, Hendriks und andere. Der Wagenbauer und Händler Eduard Hälbich liegt hier mit seiner Frau. Einer seiner Söhne, ebenfalls mit Namen Eduard, war später Stadtgründer von Karibib und dort erster Bürgermeister. Teilweise ist der Friedhof recht verwildert, einige Grabsteine umgefallen, viele Gräber namenlos.

Dicht dabei einige halbwüchsige Kinder die von Ferne schüchtern rufen ob sie nicht einen "Cooldrink" bekommen können. Ich versuche sie heran zu rufen doch sie trauen sich erst nicht, dann kommt doch ein Mädchen und ich schenke ihr den Rest meiner großen Cola, meine noch sie sollen die sich teilen und die Flasche nicht zerschmeißen!

                   

18.03.2014 Dienstag
Als die Kinder am Morgen zur Schule gehen nehme ich gleich die Gelegenheit wahr mir diese einmal anzusehen. Lerne so einige Lehrer kennen und mache mir ein Bild von der Ausstattung der Einrichtung. Alles macht einen ordentlichen Eindruck. Beim Schuldirektor hatte ich mich gestern schon vorgestellt, heute überspiele ich meine historischen Fotos Otjimbingwes auf seinen Speicherstick (der über 100 Computer-Viren beherbergt!). Was mich geradezu aus der Fassung bringt: seine Frage wozu die Deutschen im Swakop einen Wald angelegt haben! Solche Unkenntnis habe ich hier nicht erwartet und ich betreibe nun eine Art Aufklärung...
Die Namen der Lehrer lasse ich mir von ihnen auf Band sprechen, allerdings habe ich dann Schwierigkeiten bei der Transkription der Nachnamen.

                                                     

Eines der größten Probleme Otjimbingwes ist die Müllentsorgung - es gibt keine. So landet alles irgendwann im Swakop. Eine Altglas-Verwertung gibt es ebenfalls nicht in Namibia, auch kein die Transportkosten lohnender Flaschenpfand und so liegt das halbe Land voller Scherben. Und das wo die meisten Kinder barfuß laufen...

                             

Die Gräber der Familie des Missionars Kleinschmidt. An der ehemaligen Militärstation der deutschen Schutztruppe (nur noch Fundamente vorhanden) finde ich neben jeder Menge Scherben auch einige heile Flaschen der Münchener Pschorr-Bräu.

 

Am Stadtrand ist eine große Bar die vom einzigen Weißen Otjimbingwes betrieben wird. Mit Joachim von Flotow unterhalte ich mich lange und erfahre einiges zur Lage in Stadt und Land. Auch über diverse kostspielige Projekte die hier angeschoben wurden - und dann meist im Sande verliefen. Und jede Menge Anekdoten erzählt Joachim der früher in Windhoek eine Autowerkstatt betrieb, vieles ist für einen Europäer kaum nachvollziehbar.

Im Tal des Omusema lerne ich Seth kennen und wir besehen zusammen die Fundamente der Alten Feste. Hier befand sich Mitte des 19. Jahrhunderts das Augustineum, danach der Regierungssitz als Otjimbingwe Hauptstadt Deutsch-Südwestafrikas war (1884-1890). Später nutzte man den Gebäudekomplex als Kommissariat.

           

© Burkhart Rüchel© Burkhart Rüchel19.03.2014 Mittwoch
Die Reste der Handwerklichkeitsschule beim Friedenheim Hostel. Hier wurde vor langer Zeit jungen Leuten u.a. das Tischlerhandwerk beigebracht.

Ich mache einen Besuch in der Polizeistation Otjimbingwes. Die beiden Polizisten können sich gut an mich erinnern, halfen Sie mir doch im Oktober 2012 als ich mit dem geliehenen Wagen wegen defekter Batterie ein paar Kilometer vor Otjimbingwe liegen blieb (siehe Reisebericht Oktober 2012). Das Foto zeigt die beiden Polizisten heute - dazwischen mein Brief mit dem Foto von 2012 das ich Ihnen als Dankeschön schickte.

 

Anschließend geht es zum Hof von Seth. Er ist Besitzer einer kleinen Rinderherde und gilt als wohlhabend.

                                       

Das ehemalige Hotel und Wagenbauerei des Oswald Glöditzsch gehört heute dem Grootman des Ortes (ein Damara). Auch die Tankstelle hat er früher betrieben, doch sind die Tanks lange undicht (hier gab es schon im Oktober 2012 bei meinem letzten Besuch keinen Treibstoff). Alles ist arg herunter gekommen. Sein Laden hat kein nennenswertes Angebot, das Haus läßt er verfallen und jammert mir in verständlichem Deutsch die Ohren voll: "Die Deutschen sollen kommen und es wieder reparieren!"

   

               

Das frühere Hospital direkt am Swakop steht seit langem leer und verfällt, heute gibt es eine moderne kleine Klinik an der Hauptstraße.

                       

Neben dem ehemaligen Hälbich-Laden ist ein Gelände mit eigenartigen Mauerresten und ich weiß nicht ob es sich hier um alte Fundamente oder eine alte Gartenanlage handelt.

                     

Friedenheim Hostel. Renate sitzt an der Nähmaschine und ich frage ob sie einen Dreiangel in meiner Hose den ich mir beim Übersteigen eines Zaunes gerissen hatte zusammennähen könne. Als Laie muß ich ihr allerdings erst zeigen wie das geht und die Maschine entsprechend einstellen.
Abends wird eine Ladung Brennholz angeliefert - damit werden die beiden riesigen Potjies auf dem Hof beheizt. Als die Glocke (darauf steht: Friede sei mit Euch) zum Abendessen ruft mache ich eine Tonaufnahme.

                                     

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